SZ: Hohlmeier in Bedrängnis

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Bernhard
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SZ: Hohlmeier in Bedrängnis

Beitrag von Bernhard »

Süddeutsche Zeitung - Sebastian Beck hat geschrieben:Das Schulministerium hat erstmals einen akuten Lehrermangel in Bayern
eingestanden. In einem internen Papier, das der SZ vorliegt, werden
zahlreiche gravierende Missstände an den Schulen aufgelistet. Danach fehlen
zur Unterrichtsversorgung 818 Stellen.

Die Personalknappheit gefährdet wesentliche Ziele der bayerischen
Bildungspolitik: Sowohl für Krisenintervention als auch für individuelle
Förderung stünden keine Mittel zur Verfügung, heißt es. Ein Ausbau der
Sprachlernklassen sei unmöglich. Bei den Klassenstärken belegt Bayern der
Aufstellung zufolge im Ländervergleich durchweg die hinteren Ränge.

Wöchentlich entfallen tausende von Stunden

Die Statistik steht im krassen Gegensatz zu den offiziellen Verlautbarungen
von Schulministerin Monika Hohlmeier und Staatsregierung. Sie hatten einen
generellen Lehrermangel bisher stets bestritten. Aus dem Papier zur
Unterrichtsversorgung 2005/2006 geht jedoch hervor, dass alle Schularten vor
massiven Problemen stehen: An Berufsschulen fallen demnach wöchentlich 3300
Pflichtstunden aus, an Fachoberschulen 730 Stunden.

Ähnlich sieht es an den Realschulen aus: Hier fielen in Bayern pro Woche
schätzungsweise 1300 Pflichtstunden aus, eine mobile Reserve stehe jedoch
nicht zur Verfügung.

Besonders drastisch ist die Analyse der Hauptschulen: Hier weist das
Ministerium darauf hin, dass nach der neuen Pisa-Studie "Verbesserungen im
Hauptschulbereich nicht erkennbar" seien. Dafür mangele es an Geld und
Lehrern, die man für die individuelle Förderung benötige.

So sei auch die geplante Einführung einer 29. Stunde in der sechsten
Jahrgangsstufe noch nicht finanziert. Im kommenden Schuljahr laufe zudem die
Förderung der Ganztageshauptschule durch die Wirtschaft aus.


An den Förderschulen in Bayern fehlen 54 Stellen, an den Volksschulen 115,
an Realschulen 235, an Gymnasien und beruflichen Schulen jeweils 207.

Kritisch ist die Situation insbesondere an den Realschulen, die nach wie vor
steigende Schülerzahlen verzeichnen. Im Vergleich zum Vorjahr sind die
Klassenstärken hier weiter gestiegen: Von den insgesamt 5488
Realschulklassen in Bayern haben 2392, also 44 Prozent, zwischen 30 und 37
Schüler.

Zur Situation an den Gymnasien wird angemerkt, dass entgegen den Erwartungen
nach Einführung der R6 keine Kapazitäten freigeworden seien, um das
achtstufige Gymnasium kostenneutral zu finanzieren. Ursache sei die
steigende Schülerzahl als Folge der Zuwanderung nach Bayern. Zudem rückten
schülerstarke Jahrgänge nun in die "teuere Mittel- und Oberstufe" vor, was
den Bedarf an Lehrern weiter erhöhe.

Schuld ist Stoibers Sparpolitik

Insgesamt werde der Rückgang der Schülerzahlen wesentlich langsamer erfolgen
als prognostiziert, heißt es in dem Papier. Schuld an den Problemen ist
offenbar in erster Linie die Sparpolitik von Ministerpräsident Edmund
Stoiber.

So weist das Schulministerium ausdrücklich darauf hin, dass man 2005 einen
Konsolidierungsbeitrag von 217,5 Millionen Euro leisten werde, im Jahr 2006
sogar 242,4 Millionen Euro.

Dennoch liegt Bayern bereits jetzt im Ländervergleich ganz hinten, was
Unterrichtsstunden und Klassenstärken anbelangt. Bei der Klassenstärke
beispielsweise belegen Grund-, Förder- und Realschulen sogar den letzten
Platz.

In der CSU-Fraktion wurde der Bericht mit Verärgerung und Bestürzung zur
Kenntnis genommen. Bereits seit Monaten werden Abgeordnete in ihren
Stimmkreisen mit den Protesten von Eltern konfrontiert.

Die Staatsregierung habe darauf jedoch nicht reagiert, sagte ein
Abgeordneter der SZ. Nun müsse Stoiber endlich etwas unternehmen.
CSU-Bildungspolitiker schätzen den zusätzlichen Bedarf sogar auf bis 1000
Lehrer.

Haushalt wichtiger als Bildung

Kommende Woche will sich das Kabinett mit dem Lehrermangel beschäftigen.
Stoiber habe das Problem nach der Auseinandersetzung mit Hohlmeier zur
Chefsache gemacht, heißt es aus der CSU-Fraktion.

Es gilt jedoch als unwahrscheinlich, dass er die bis zu 50 Millionen Euro
jährlich bereitstellen wird, die für neue Lehrer benötigt würden. Das Ziel
eines ausgeglichenen Haushalts habe Priorität.

Im Landtag gab es gestern erneut eine heftige Debatte über die
Bildungspolitik. Die SPD forderte 1000 zusätzliche Lehrer-Planstellen für
das erste Halbjahr 2005. Zudem sollten die durch Pensionierungen frei
gewordenen Stellen ersetzt werden.

Die Grünen verlangten 800 zusätzliche Lehrer, "um wenigstens die größte Not
an den Schulen zu lindern". Die CSU lehnte die Forderungen der Opposition
ab.
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