Neueste Infos zur Hauptschulinitiative - Stand Mai 2008

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Borcas
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Neueste Infos zur Hauptschulinitiative - Stand Mai 2008

Beitrag von Borcas »

Im Rahmen der Fortbildungstagung der regionalen Multiplikatoren in Dillingen fand am Donnerstag, 29.05.2008 auch ein Vortrag zum momentanen Stand der Überlegungen zur Hauptschulinitiative statt. Als Multiplikator sehe ich es natürlich als meine Aufgabe an, diese Informationen auf jedem mir möglichen Weg weiterzugeben. Deshalb habe ich eine Zusammenfassung der Inhalte für das Forum erstellt, die ich euch hiermit zur Informationsgewinnung freigebe:
Neues zum Stand der Hauptschulinitiative
Wichtig: Sachstand Mai 2008 (noch in Veränderung)

Informationen: W. Schierl, ISB, Gisela Tittus, Arbeitskreis ISB, Sonja Wendler, Projektschule HS Selb

Zum Start der HS-Initiative:

Die Hauptschulinitiative soll schon zum Beginn des kommenden Schuljahres an allen Schulen in Bayern beginnen. Im Jahr 2008/2009 wird das neue System bereits in den 7. Klassen der bayerischen Hauptschulen eingeführt, 2009/2010 auf die 8. Klassen ausgedehnt und schließlich 2010/2011 auch in den 9. Klassen angekommen sein. Wichtig ist dabei, dass auch die Veränderungen in den 5. Klassen, die als Grundlage für das neue System dienen sollen, 2008/2009 eingeführt werden sollten.

Grundlagen:

Ein Ziel im Rahmen der Hauptschulinitiative ist es, dass sich die Profilfächer mehr in Richtung der Berufsorientierung öffnen. Deshalb soll ein Profiltag eingerichtet werden, dessen Inhalte sich absolut auf das Lernfeld AWT konzentrieren sollen. Deshalb ist es ausdrücklich gewünscht, an diesem Fach nur die Fächer des Lernfeldes in den Stundenplan zu setzen. Zum Lernfeld AWT gehören der AWT-Unterricht selbst, sowie die Profilfächer KtB, HsB und GtB (da bisher noch keine Bezeichnungen für die Fächer feststehen, verwende ich in dieser Informationssammlung die bisher bekannten Fächerbezeichnungen).

In der 7. Klasse verändert sich künftig das Wahlverhalten der Schüler. Anstatt wie bisher zwei der Wahlpflichtfachbereiche für die 8. Klasse zu behalten, soll stattdessen das Hauptaugenmerk auf einen Profilbereich gelegt werden.

Dennoch muss der Schüler nicht zwangsläufig, wie dies bisher im Gespräch war, die beiden anderen Fachbereiche völlig abwählen. Da aus pädagogischer Sicht nach wie vor die Frage im Raum steht, ob die komplette Berufsorientierung bereits zum Halbjahr der 7. Klasse für den Schüler abgeschlossen sein kann, werden andere Wege offen gehalten. Zu diesem Zweck wird folgende Regelung angeboten: Der Schüler kann sich in der 7. Jahrgangsstufe entscheiden, ob er sich komplett auf einen Profilbereich konzentrieren möchte. Ist dies der Fall, hat er in der 8. Klasse das ganze Jahr Unterricht in diesem Fach. Dies ergibt bei 4 Unterrichtsstunden für das Profilfach in der Woche (ausgehend von 30 Unterrichtswochen in der Jahresplanung) 120 Stunden Fachunterricht. Der Schüler kann sich allerdings auch für die Wahl zweier Profilfächer entscheiden, wobei dann aber, vom Ministerium so auf jeden Fall gewünscht, eines dieser Fächer als „Schwerpunktfach“ gewählt werden muss. Also beispielsweise 90 Stunden Fachunterricht KtB, 30 Stunden Fachunterricht HsB. (Zur Durchführung gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, auf die ich später noch eingehe.)

Grundsätzlich soll das System offen und durchgängig sein. D. h. es soll dem Schüler ermöglicht werden, nach der 8. Klasse nochmals das Profilfach zu wechseln. Darin eingeschlossen ist auch die Wechselmöglichkeit in das in der 7. Jgst. bereits abgelegte dritte Fach, sollten Schüler erst zu diesem Zeitpunkt feststellen, dass sie dieses beispielsweise für den angestrebten Beruf dringend benötigen. Daraus ergibt sich aber folgende Schwierigkeit: In der 9. Klasse treffen Schüler mit bis zu 4 unterschiedlichen Lernständen aufeinander. Schüler mit 120 Std. Fachunterricht (1 Profilfach 8.), 90 Std. (2 Profilfächer 8., Schwerpunktfach), 30 Std. (2 Profilfächer 8., vermindertes Fach) und 0 Std. (2 Profilfächer 8., abgewähltes Fach). Die Defizite im Leistungsstand der einzelnen Schüler sollen deshalb mit Modulen und Förderstunden abgefangen werden. Inwiefern dies bewerkstelligt werden kann, bleibt Aufgabe und Verantwortung der Schule.

In der 5. und 6. Jahrgangsstufe soll das zusätzliche Fach „Tastschreiben“ mit 1 Unterrichtsstunde pro Woche eingeführt werden. Hier lernen die Schüler bereits das 10-Finger-System und sollen die Buchstabenschreibungen eintrainieren. Außerdem sind Grundlagen im Umgang mit dem Computer angedacht. Der Stoff der 7. Klasse KtB wird also in die 5. Klasse TS, der Stoff 8. Klasse KtB teilweise in die 6. TS vorgezogen, so dass sich der Unterricht in KtB ab der 7. Klasse bereits viel mehr auf die Berufsorientierung konzentrieren kann. Auch das Fach TS soll im Rahmen eines Profiltages unterrichtet werden, gemeinsam mit AWT und WtG.

Zur kompletten Durchführung der HS-Initiative sind also über die Woche verteilt Profiltage in allen Jahrgangsstufen notwendig, beispielsweise montags Profiltag 5 + 6, Dienstag 7, Mittwoch 8, Donnerstag 9.

Kleine Hauptschulen sollen erhalten werden, um zu vermeiden, dass Schüler bereits in den Grund- und Hauptschulen weite Busfahrten auf sich nehmen müssen.

Praktika (Block-, und Wochenpraktika) werden eingeführt. Blockpraktika werden über mehrere Wochen hinweg immer am Profiltag durchgeführt, Wochenpraktika zur intensiven Einfindung in den Arbeitsablauf fallen deshalb aber nicht weg. Die Lehrkräfte der Profilfächer werden dabei mehr in den Ablauf der Praktika eingebunden als bisher.

Der erfolgreiche Hauptschulabschluss, wie es ihn bisher gab, wird abgeschafft. Künftig wird jeder Schüler eine Prüfung ablegen müssen, um einen Abschluss zu erhalten. Hauptschulabschluss und Quali werden zur selben Zeit durchgeführt, beispielsweise ist angedacht, Prüfungsbögen zu entwickeln, auf denen ein erster Fragenteil für HS-Abschluss und Quali notwendig ist, der zweite Teil der Fragen nur zum Erreichen des Quali ausgefüllt werden muss.

Im Rahmen der Prüfungsordnungsänderung sollen die schriftlichen/praktischen Prüfungen in den Profilfächern (Quali, MR) durch Projektprüfungen (HS-Abschluss, Quali, MR) ersetzt werden. Das heißt, über einen gewissen Zeitraum der zweiten Jahreshälfte hinweg sollen die Schüler in Gruppen (z. B. ausgelost, in der Idealvorstellung aus jedem Profilbereich ein Schüler) ein Projekt entwickeln und dieses abschließend vorstellen.

Einzelne, festgelegte Bereiche des Profilunterrichts (Module) sollen mit Zertifikaten abgeschlossen werden, die der Schüler gemeinsam mit dem Zeugnis am Ende des Jahres erhält. Sie berechtigen zum Eintritt in das nächsthöhere Modul.

Umsetzung:

Umsetzungsmöglichkeiten gibt es verschiedenste. Für die 8. Klasse sind zwei Modelle für die Umsetzung der 2-Fächer-Wahl denkbar. Zum Beispiel hat der Schüler beispielsweise 3 Wochen lang Unterricht in seinem Schwerpunktfach, dann 1 Woche das geringer gewichtete Profilfach. Danach beginnt der Turnus von vorn. Eine andere Möglichkeit ist, im ersten Halbjahr beide Profilfächer zu gleichen Teilen anzubieten. Zum Halbjahr der 8. Klasse dann wählt der Schüler sein Schwerpunktfach und besucht im zweiten Halbjahr schließlich nur noch dieses Unterrichtsfach (z. B. 1. Halbjahr GtB 30 Std. + KtB 30 Std. / 2. Halbjahr GtB 60 Stunden, KtB abgewählt). Vorteil der zweiten Methode ist, dass die Schüler bis zur Mitte der 8. Jgst. Zeit haben, sich tatsächlich für ihren Profilbereich zu entscheiden. Nachteil hingegen wird sicherlich der organisatorische Aufwand sein, denn es ist auf diese Weise nötig, zum Halbjahr die komplette Gruppenstrukturierung neu zu organisieren.

Um Modularisierung und Fördermöglichkeiten zu schaffen, sollen pro 100 Schüler drei zusätzliche Lehrerstunden geschaffen werden. Diese stehen dem Schulamt zur Verfügung und können bei Bedarf an die Schulen vergeben werden. Allerdings erfordert dies von den Schulleitungen bereits in der Vorplanung Weitblick. Eventuelle Engpässe müssen eingeplant sein und als sogenannte „Verfügungsmasse“ mit in die Planung eingerechnet werden. (Heißt: Wenn ich zu Beginn des Jahres bereits davon ausgehen kann, dass aus bestimmten Gründen ab einem gewissen Zeitpunkt – Halbjahr – mehr Stunden anfallen, müssen diese bereits beim Schulamt angemeldet werden.)

Die zusätzliche Unterrichtsstunde TS in der 5. und 6. Klasse kann von den Schulleitern auf unterschiedliche Art und Weise aus dem Stundenkontingent geschöpft werden. Bisher werden beispielsweise extra Stunden des Schulamts angefordert oder die Stunden aus dem Pool anderer Fächer abgezweigt. Eine weitere und auch so gewünschte Möglichkeit ist die Verwendung der 30. Stunde, die für das normale Wochenstundenkontingent der 5. und 6. Klassen zusätzlich vom Kultusministerium genehmigt wurde.

Bei der Stundenplanung sollte darauf geachtet werden, dass die Stunde TS in der 5. und 6. Jgst. grundsätzlich in den 1. Unterrichtsstunden des Tages stattfindet. Nur so kann gewährleistet werden, dass der Unterricht auch dann stattfinden kann, wenn die Klassleiter Exkursionen (Betriebliche Erkundungen, etc.) oder andere Aktionen planen, die auch noch mit Beginn der 2. Stunde angegangen werden können. Natürlich muss der Unterricht in den 5. und 6. Klassen durch ausgebildetes Fachpersonal durchgeführt werden, da die erlernten Inhalte zum Tastschreiben die Grundlage für die Arbeit im Profilbereich KtB ab der 7. Klasse bilden.

Fachunterricht in den 7. Klassen: Der Fachunterricht der 7. Jgst. soll künftig in allen drei Fachbereichen gleich gewichtet sein. Dennoch stehen für das Lernfeld AWT nur 6 Stunden zur Verfügung (davon 1 AWT). Da eine stundenweise Umsetzung mit 3 Fächern und insgesamt 5 Std. Fachunterricht an einem Tag rein rechnerisch nicht möglich ist, müssen neue Konzepte entwickelt werden. Eine Möglichkeit ist die Einteilung des Jahres in Trimester, wobei die Bezeichnung Trimester nicht, wie bisher mancherorts angenommen, wörtlich als Teilung des Jahres in drei Abschnitte gesehen werden soll. Es geht nur darum, die Stunden über das Jahr in allen Fachbereichen gleichmäßig zu verteilen. Erwünscht und empfohlen ist aber eine Durchführung im Block, so dass die Schüler an einem Profiltag nur AWT und eines der Profilfächer besuchen.

Möglichkeiten hier gibt es unterschiedliche. Die Schulen können das Jahr beispielsweise in 6-Wochen-Abschnitte einteilen. Die Schüler besuchen also beispielsweise in den ersten 6 Wochen das Profilfach GtB, in den zweiten 6 Wochen KtB, in den dritten 6 Wochen HsB, dann beginnen sie wieder von vorn. Während die Gruppe 1 GtB besucht, laufen zwei andere Gruppen den Turnus in anderer Reihenfolge ab. Das heißt zum Beispiel: Die Klasse 7a durchläuft die Fächer in der Reihenfolge GtB/KtB/HsB, die 7b KtB/HsB/GtB, die 7c HsB/GtB/KtB. Genauso aber können die Profilfächer auch beispielsweise 3-wöchentlich oder wöchentlich gewechselt werden.

Zum Erhalt der kleineren Hauptschulen in Bayern: Bisher war im Rahmen der HS-Intitiative angedacht, dass kleinere Hauptschulen sich eine Art Fachprofil zulegen. Beispielsweise würde Schule A sich auf KtB, Schule B sich auf HsB und Schule C sich auf GtB konzentrieren. Dann würden die Schüler am Profiltag von einer zur anderen Schule gefahren werden, um dort den von ihnen gewählten Profilbereich durchführen zu können. Inzwischen aber ist eine andere Lösungsmöglichkeit im Gespräch. Da mit dem alten System ein gewaltiger Bustourismus entstanden wäre, die zusätzlichen Gelder des Freistaates für die Bildung unserer Schüler ja aber eigentlich in den Unterricht und nicht in den Transport der Schüler gesteckt werden sollten, wird jetzt das Augenmerk mehr auf den fächerübergreifenden Unterricht gelegt. Zu diesem Zweck wurde vor allem darauf geachtet, dass mit dem Stundenmaß von 4 Stunden in der 8. und 9. Jgst. eine Möglichkeit gegeben ist, diese beiden Jahrgangsstufen gemeinsam zu unterrichten.

Zur Umsetzung im Unterricht drei Möglichkeiten: In den Lehrplänen der 8. und 9. Klasse gibt es Themen, die frei während der 2 Jahre platziert werden können, da sie von anderen Lerninhalten vollkommen unabhängig sind. Hier ist es möglich, im ersten Jahr eines der Themen, im zweiten Jahr ein anderes zu erlernen. (Beispiel: Im Jahr 1 lernen die 8. und 9. Klassen das Thema „Telefon“ im KtB-Unterricht kennen, im Jahr 2 lernen die 9. und die neu nachgerückten 8. Klassen das Thema „E-Mail“ kennen.)

Andere Themen aber benötigen einen aufeinander aufbauenden Unterricht. Ich kann (hier wieder Bezug auf KtB) beispielsweise den Serienbrief nicht vor dem Geschäftsbrief erlernen. Hier ist wohl in erster Linie innere Differenzierung gefordert. Das heißt, die Schüler der 9. Klassen erlernen den Serienbrief, während die 8.-Klässer den Geschäftsbrief kennen lernen. Denkbar aber ist natürlich auch, die Schüler der 9. Klasse als Experten heranzuziehen, um die Inhalte, die sie bereits kennen, an die 8. zu vermitteln. Als Übung für die 9. Klassen ist dies ebenso sinnvoll (Stichwort: Lernen durch Lehren).

Schließlich führen die Schüler der einzelnen Jahrgangsstufen im Rahmen des Profiltages immer wieder auch Praktika durch. Werden diese Praktika so gelegt, dass sie in den einzelnen Jahrgangsstufen zu unterschiedlichen Zeiten stattfinden, ergeben sich immer wieder Phasen im Laufe eines Schuljahres, in denen entweder nur die 8. Klassen oder nur die 9. Klassen zum Unterricht da sind. In solchen Zeiten können besonders wichtige Themen behandelt werden, bei deren Durchführung sich die Lehrkraft intensiv auf die Schüler einer Jahrgangsstufe konzentrieren muss.

Anmerkung:

Zum Abschluss noch einmal die wichtige Anmerkung, dass alles hier Berichtete noch immer in der Schwebe ist. Es handelt sich um den momentanen Stand der Überlegungen am ISB.
http://www.borcas.de <-- Fachlehrerinfos und mehr
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Re: Neueste Infos zur Hauptschulinitiative - Stand Mai 2008

Beitrag von Bernhard »

Vielen Dank für die Arbeit und den ausführlichen Einblick!
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Re: Neueste Infos zur Hauptschulinitiative - Stand Mai 2008

Beitrag von tabsi »

dem muss ich mich anschließen.
Danke, Borcas!

tabsi
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Re: Neueste Infos zur Hauptschulinitiative - Stand Mai 2008

Beitrag von sunshine-sr »

Hi Carsten,

viiiiiiiiiiiiiiiieeeeeeeeeeeeeeeeeelen Dank, für die grandiose Zusammenfassung der doch etwas sehr faden Stunden.

Du hast mir jede Menge Arbeit erspart, denn mein Schulrat wollte natürlich, dass ich gleich bei ihm antanze und ihm das Neuste aus Dillingen berichte. Das Fazit der Besprechung: Das sei ja alles gut und schön, aber woher sollen die Lehrerstunden und die Fachlehrer dafür kommen? Da die Projektschulen in diesem Fall besondere Privilegien genießen, funktioniert das dort auch alles soooooo toll :juggle: Die Realität sieht aber leider anders aus.

Wir werden sehen ...

Schöne Grüße

Oliver