Der Briefentwurf

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Borcas
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Beitrag von Borcas »

Und nun mein Entwurf für das Schreiben. Weitere Anregungen und Änderungen gerne erwünscht.
www.fachlehrerforum.de zur Zukunft der Fachlehrer m/t an bayerischen Hauptschulen


Sehr geehrter Herr Staatsminister Schneider,

im Zuge der anstehenden Hauptschulreform kam es in unserem Forum bereits vor einiger Zeit zu ausführlichen Gesprächen und Diskussionen über den momentanen Stellenwert und die Zukunft der Fächer, die von den Fachlehrern m/t an bayerischen Hauptschulen unterrichtet werden. Da uns in diesem Zusammenhang einige Missstände aufgefallen sind, möchten wir nun mit dieser Aktion an Sie herantreten. Wir hoffen, dass die von uns vorgeschlagenen Punkte im Zuge der Umstrukturierung der Hauptschule beachtet werden können.

Was uns in diesem Zusammenhang am Herzen liegt ist:

1. Die Fachbereiche GtB, HsB und KtB bilden die Säulen einer arbeitspraktischen Vorbereitung unserer Schüler auf das Berufsleben. Deshalb sollte das Hauptaugenmerk der Hauptschule gerade auf diesen Fachbereichen liegen. Der Stellenwert der angesprochenen Fachbereiche aber ist zurzeit weit von dieser Vorstellung entfernt. Fachfremde Kollegen und Kolleginnen unterrichten die Fächer ohne fundierte Ausbildung und Kenntnisse. In „Aufbaukursen“ soll Wissen vermittelt werden, dass sich die Fachlehrerschaft in einer vierjährigen Ausbildung angeeignet hat. Allein die Vorstellung, eine fachfremde Lehrkraft könne sich dieses Fachwissen in kürzester Zeit selbst aneignen wertet unsere Fächer so sehr ab, dass von einer berufsvorbereitenden Arbeit keine Rede mehr sein kann.

2. Es gibt, um gerade die Fächer KtB und GtB flächendeckend zu unterrichten viel zu wenige Fachlehrer m/t. Diese Entwicklung hat sich schon seit Jahren angedeutet, es wurde aber kaum etwas dagegen unternommen. Die Aufstockung der Fachlehrerausbildungsstätten in Bayreuth und Augsburg um jeweils 15 Studenten bildet in diesem Falle nur den sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein. So wäre es für die Zukunft der Hauptschulen und einen fachlich fundierten Unterricht dringend notwendig, weitere Ausbildungsmöglichkeiten für Fachlehrer m/t zu schaffen. Ausbildungsstätten in Niederbayern und Unterfranken wären sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung um gerade diese beiden Bereiche, in denen seit Jahren ein hoher Fachlehrermangel vorherrscht, abzudecken.

3. Immer mehr Schulen neigen aus der momentanen Situation heraus dazu, den Mangel an Fachlehrern m/t durch neue Klassenzusammensetzungen zu überbrücken. So ist es mittlerweile häufiger der Fall, dass Fachunterricht in KtB oder GtB in Gruppen mit einer Klassenstärke bis zu 20 Personen gehalten werden muss. Auch sind wohl bereits Fälle aufgetreten, in denen Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe gemeinsam unterrichtet werden, weil der Fachlehrermangel so groß ist. Um die Schüler wirklich optimal in den Fachbereichen zu schulen ist es nötig, auf die Schüler eingehen zu können. Dies ist bei einer zu hohen Klassenstärke oder in gemischten Gruppen 9/10 nur noch eingeschränkt möglich. Fachgruppen in den Bereichen sollten im allerhöchsten Fall 15 Personen umfassen.

4. KtB hat für die Zukunft der Schüler einen hohen Stellenwert, da mittlerweile in fast jedem Beruf mit dem Computer gearbeitet werden muss. Deshalb ist es kaum verständlich, weshalb der KtB-Unterricht in der 7. Jahrgangsstufe nur einstündig stattfindet, während die beiden anderen Fachbereiche doppelstündig angeboten werden. Hier sollte unbedingt eine Aufstockung der Stundenzahl erfolgen. Bereits ab der 8. Klasse wäre eine Aufstockung des Unterrichtsangebotes auf 3 Wochenstunden wünschenswert. Auf diese Weise könnten die Schüler die 8. Jahrgangsstufe mit einem guten Fachwissen beenden, bevor sie sich für die Wahl eines der drei Fachbereiche entscheiden müssen.

5. Der Werkunterricht in der 6. Jahrgangsstufe muss wieder einen wichtigeren Stellenwert erhalten. Aufgrund mangelnder werktechnischer Inhalte ist das Grundwissen der Schüler, wenn sie in die 7. Klasse kommen oftmals nur mittelmäßiger Natur. Deshalb sollte der Fachlehrplan WtG 6 wieder mehr am Folgefach GtB orientiert sein.

6. Buchführung und KtB sind zwei Fächer, die beide einen hohen Stellenwert einnehmen. Es kann also nicht sein, dass der KtB-Unterricht beschnitten wird, um Buchführungsinhalte in diesem Fach mit unterzubringen. Beide Fächer sind zu wichtig, um eines zu kürzen. Deshalb sollte Buchführung aus dem Bereich KtB ausgenommen werden. Für Buchführung sollten eigene Stundenkontingente geschaffen werden, um dieses wichtige Fach ausreichend unterrichten zu können und nicht nur einigen wenigen in einer Arbeitsgemeinschaft zu vermitteln. Außerdem sollte Buchführung bereits ab der 7. Jahrgangsstufe unterrichtet werden.

Deshalb unsere Wünsche für die Zukunft:

- Mehr Fachlehrer m/t für Bayern, weniger fachfremder Einsatz in unseren Fachbereichen.
- Vor allem in den Prüfungsklassen (9. und 10. Jahrgangsstufe) kein fachfremder Unterricht in unseren Bereichen.
- Kleinere Gruppen in den Fachbereichen. Eine Gruppenstärke von 15 Personen darf keinesfalls überschritten werden.
- KtB in der 7. Jahrgangsstufe zweistündig. Ab der 8. Jahrgangsstufe alle drei Fachbereiche dreistündig.
- WtG 6 wieder mehr werktechnisch orientiert.
- Buchführung als eigenständiges Fach. KtB hat zu viele wichtige Inhalte, um diese zugunsten des Buchführungsunterrichts aus dem Jahresverlauf zu entfernen. Buchführungsunterricht ab der 7. Klasse.

Am Ende sollte also die Aufwertung des praktischen Bereichs im Profil der zukünftigen Hauptschule stehen. Wir hoffen darauf, dass unsere Vorschläge angenommen werden und in die Zukunftsplanung einfließen können und würden uns über eine Antwort auf diesen Brief freuen.

Mit freundlichen Grüßen
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sunshine-sr
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Beitrag von sunshine-sr »

Hi Borcas,

ich finde deinen Entwurf klasse und bedanke mich ganz sakrisch für die riesige Arbeit, die damit zusammenhängt.

Auch wenn an anderen Stellen des Forums über das Schreiben diskutiert wird, schreibe ich meine Anregungen hier her, wo sie doch auch hingehören.

Zu Punkt 2:
Das KM wird kontern, dass es an der Fachlehrerausbildungsstätte Ansbach die Erweiterungsfächer Kommunikationstechnik mit Musik und Kommunikationstechnik gibt. Ähnliches gilt für die Ausbildungsstätte in München, dort gibt es das Erweiterungsfach Sport mit Kommunikationstechnik. Leider kenne ich die Zahlen nicht, aber hier können wir folgenden Aspekt dagegenhalten. "Die Anzahl der Lehrkräfte, die Sport und Musik unterrichten dürfen, ist in den letzten Jahren drastisch gesunken und wird sich mit der zu erwartenden Pensionierungswelle weiter reduzieren. Somit werden Fachlehrer mit den o. g. Erweiterungsfächern aus Ansbach und München primär in den Bereichen Sport und Musik eingesetzt werden. Eine positive Auswirkung für den Bereich der fehlenden Fachleherstunden in der Kommunikationstechnik ist nicht zu erwarten."

Zu Punkt 3:
[... So ist es mittlerweile häufiger der Fall, dass Fachunterricht in KtB oder GtB in Gruppen mit einer Klassenstärke bis zu 20 Personen gehalten werden muss.] - muss, in Räumen in denen weder genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, noch geltende Bestimmungen zur Sicherheit am Arbeitsplatz eingehalten werden können.

Ergänzend zu dem Punkt ist auch zu sagen, dass eine Vermischung von R- und M-Schülern in einer Gruppe nicht tragbar ist. Eine Differenzierung innerhalb dieser Gruppen kann aufgrund der unterschiedlichen Lehrpläne faktisch nicht durchgeführt werden. Eine Vermischung ist nicht als Herausforderung für die unterrichtende Lehrkraft zu sehen, sondern lässt sich eher als fahrlässiger Umgang mit zu erwartenden Prüfungsergebnissen klassifizieren. Ganz entschieden spricht dieses Verfahren gegen den Wunsch, ein wirkliches und realistisches Mittlere-Reife-Niveau zu erreichen, das den Anforderungen der Realschule auch nur annähernd gerecht wird.

Zu Punkt 4:
Frau Hohlmeier hat die Informationstechnik in einer Rede anlässlich des 20. Bayerischen Landesrealschultages am 30. November 2002 in Freising als 4. Kulturtechnik bezeichnet. ...[Daher muss eine Schule kommenden Generationen Instrumentarien an die Hand geben, um die Fülle des Informationsangebots und die dazugehörige Technologie kompetent und verantwortungsbewusst nutzen zu können. IuK-Kompetenz ist unverzichtbar für Realschulabsolventen. Die Fähigkeit, Computer konstruktiv zu nutzen wird heute zu Recht als vierte Kulturtechnik neben Lesen, Schreiben und Rechnen bezeichnet ...] Sollte diese Aussage nicht auch für Hauptschulen gelten, zumal sie auch einen Mittleren Bildungsabschluss bieten?

Zu Punkt 5:
Schau dir mal dazu dieser Link an: http://www.bllv.de/standpunkte/eingaben ... ramm.shtml Die Aussage ist von 1997, ich kann mich für meine Seminarzeit 2002 bis 2004 an kein einziges WTG-Thema erinnern. Interessant ist die Frage, warum die werktechnischen Inhalte in WTG zu kurz kommen. Zwar wird der Werktstoff Holz im Lehrplan dreimal (hört hört) und Metall gar einmal, erwähnt, doch werden sie zu Gunsten von textilen Materialien und Ton gerne verdrängt. >>Tabsi, ich will hier keine neune Diskussion vom Zaun brechen - aber es soll ja Lehrkräfte geben, denen ist die Arbeit mit Holz zu aufwändig und zu staubig ;) << Nein, an vielen Schulen ist es schlicht unmöglich, mit Gruppenstärken von über 20 Schülern vernünftigen Werkunterricht zu betreiben. Da ist es durchaus verständlich, sich für Lehrplanbereiche zu entscheiden, die für alle Beteiligten mit mehr Aussicht auf Erfolg zu unterrichten sind.

Zu Punkt 6:
Nur so kann den Mittleren-Reife-Abgängern eine reelle Chance geboten werden, in Ausbildungsfächern mit kaufmännischen Inhalten mit Realschülern konkurrieren zu können. Das KM sollte sich diesbezüglich einmal mit den Lehrplänen der kaufmännischen Berufsschulen auseinandersetzen, um zu sehen, wie wehnig wir mit Buchführung in 9 und 10 deren Anforderungen gerecht werden können.

Zu den Wünschen für die Zukunft:
Mit dem Wunsch, dass vor allen in den Prüfungsklassen kein fachfremder Unterricht stattfinden soll, schwächen wir unsere Position und geben die Klassen 7 und 8 auf. Leider fällt mir auch keine bessere Formulierung ein.

Ein ergänzender Gedanke:
Ein klares Konzept für die arbeitspraktischne Fächer in der 10. Klasse fehlt m. E. Schülerfirmen, wie aus Real- und Wirtschaftsschulen bekannt, lassen sich praktisch kaum realisieren, da weder eine entsprechende Ausbildung noch die finanzielle Unterstützung vorhanden ist. Zusätzlich fehlt die Zuarbeit aus Fächern wie Volks- und Betriebswirtschaftslehre und Buchführung.

Gruß und schönes Wochenende

Oliver

P. S. ich hoffe, du kommst mit meinen etwas konfusen Äußerungen klar :D Ansonsten - mb
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wodga
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Brief an Herrn Kultusminister Schneider

Beitrag von wodga »

Zunächst Borcas möchte auch ich dir höchste Annerkennung zollen für diesen Text, der den Nagel auf den Kopf trifft. Anscheinend ist ja bei dir die Welt noch in Ordnung, deshalb finde ich es umso bemerkenswerter, dass du dich für die Fachlehrerwelt im Allgemeinen ins Zeug legst.

Einen Punkt der bei uns im Münchner Raum problematisch ist, möchte ich noch ergänzen: Viele Fachlehrer werden bei uns an bis zu 3 Schulen eingesetzt, um die Grundversorgung an Fachlehrern in den höheren Jahrgangssftufen (8te bis 10te Klasse) aufrechtzuerhalten. Diese Notlösung hat zwei gravierende Nachteile:

1. Als Fachlehrer fängst du oftmals bei 0 an, wenn du eine Klasse unterrichtest die bisher nie Fachlehrerunterricht hatte.
2. Bei den Schülern die man in den letzten Jahren unterrichtet ist es absolut erforderlich eng mit den Klassleitern zusammenzuarbeiten. Wenn du an mehreren Schulen unterrichten mußt, wirst du gelegentlich von Kollegen gefragt: "Ach Sie sind der neue Religionslehrer". Selbst wenn die Antwort wahrheitsgemäß lautet: "Ich bin weder neu an dieser Schule, noch bin ich Religionslehrer".

Ich erlebe des öfteren, dass ein Schüler nicht mehr auftaucht, weil er von der Schule verwiesen wurde, ohne dass mich je ein Klassleiter oder die Schulleitung darüber informiert hat. Es kommt auch vor, dass Schüler ein halbes Jahr nicht auftauchen und der Klassleiter erst davon Kenntnis nimmt, wenn der Fachlehrer für diesen Schüler keine Note eingetragen hat. Dadurch beispielsweise, dass ich 4 Tage in der Woche fast ausschließlich Nachmittagsunterricht habe, kommt es vor, dass ich keinem einzigen Kollegen begegne. An einer Schule ist das Büro lediglich an 2 Tagen in der Woche geöffnet, das sind genau die Tage an denen ich nicht an der Schule bin. Wenn die Kollegen nun nicht bereit sind, Fehlendmeldungen per mail entgegenzunehmen, scheitert der Austausch bereits hier.

Kürzlich habe ich mich von einer Mitarbeitin des bayr. Landtags bzgl. einer anderen Sache beraten lassen, sie meint, es wäre das günstigste die Verantwortlichen persönlich anzuschreiben. Eine Petition verliefe ihrer Erfahrung nach i. d. Regel im Sand.

Meine Empfehlung also wäre einen "echten" Brief an Herrn KM Schneider zu schicken, evtl. mit Namen und Adressen von den Unterstützern hier im Forum als Anlage.

In dem Brief könnten wir Herrn Schneider, den ich in einer Podiumsdiskussion als durchaus kooperationsbereit erlebt habe, könnten wir diesen auch bitten auf einige ausgewählte Fragen hier im Forum Rede und Antwort zu stehen. Man könnte beispielsweise ein Forum einrichten a la "Fachlehrer fragen der KM antwortet". Forumsmitglieder könnten an den Moderator Fragenvorschläge schicken, der einige ausgewählte Fragen wiederum an Herrn Schneider weiterleitet und die Antworten hier veröffentlicht.

Auch wenn du, Borcas momentan etwas frustriert bist, weil sich offenbar so wenige wirklich zu diesem Thema einbringen, ich denke es lohnt sich hier etwas Bewegung ins Spiel zu bringen. Laß dich also nicht entmutigen, ergänze gegebenenfalls den Brief um die hier geposteten Vorschläge und ab damit in den Briefkasten. So mancher weihnachtliche Wunschzettel hat das Fensterbrett nicht ohne Erfolg verlassen :-)
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Beitrag von Deleted User 458 »

Hallo Borcas,

auch von mir ein dickes Lob und Dankeschön für die viele Arbeit und den tollen Brief. Lass dich nicht frusten wg. mangelnder Anteilnahme. So sinds halt die Leut. Jäger und Sammler.

Vielleicht als kleine Ergänzung. Die Fachlehrer die pro Jahr ausgebildet werden, müssen für Hauptschule, Realschule und Wirtschaftsschule "reichen". Viele landen ohnehin nicht an der Hauptschule und von denen wandern dann auch noch welche an die Realschule ab. Kann mich gar nicht mehr erinnern, wann der letzte Referendar in unseren Landkreis gekommen ist. Dafür sind 2 abgewandert und die letzten zwei Referendare sind an die Realschule gegangen. Man kann von Glück reden, wenn an jeder Hauptschule zumindest ein Fachlehrer für KtB sitzt. Manche haben niemanden und wurschteln sich irgendwie durch.

Grüße, Sabine
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Beitrag von Borcas »

Um Missverständnissen vorzubeugen:

Ich habe natürlich noch immer vor, den Brief direkt an Herrn Schneider zu senden. Doch das Sammeln der Unterschriften und ähnliches sollten hier im Internet geschehen und nicht wie zuerst gedacht, über eine Briefkettenaktion von Schule zu Schule. Der Verwaltungsaufwand für uns alle wäre zu übermäßig geworden, wie wir festgestellt haben.

Bernhard sieht sich zur Zeit nach einer Lösung für unser Problem um. Aber am Ende soll AUF JEDEN FALL ein Schreiben direkt an Herrn Schneider stehen. Es geht nur darum, vorher die Unterstützung der Fachlehrerschaft einzuholen, da das Schreiben ja von uns allen ausgehen soll und da er ruhig sehen soll, wie viele Leute mit der Situation unzufrieden sind.
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Beitrag von Borcas »

Habe den Text nun zum ersten Mal mit den von euch geschriebenen Vorschlägen überarbeitet. Hier der 2. Entwurf (fettgedrucktes ist neu):
www.fachlehrerforum.de zur Zukunft der Fachlehrer m/t an bayerischen Hauptschulen


Sehr geehrter Herr Staatsminister Schneider,

im Zuge der anstehenden Hauptschulreform kam es in unserem Forum bereits vor einiger Zeit zu ausführlichen Gesprächen und Diskussionen über den momentanen Stellenwert und die Zukunft der Fächer, die von den Fachlehrern m/t an bayerischen Hauptschulen unterrichtet werden. Da uns in diesem Zusammenhang einige Missstände aufgefallen sind, möchten wir nun mit dieser Aktion an Sie herantreten. Wir hoffen, dass die von uns vorgeschlagenen Punkte im Zuge der Umstrukturierung der Hauptschule beachtet werden können.

Was uns in diesem Zusammenhang am Herzen liegt ist:

1. Die Fachbereiche GtB, HsB und KtB bilden die Säulen einer arbeitspraktischen Vorbereitung unserer Schüler auf das Berufsleben. Deshalb sollte das Hauptaugenmerk der Hauptschule gerade auf diesen Fachbereichen liegen. Der Stellenwert der angesprochenen Fachbereiche aber ist zurzeit weit von dieser Vorstellung entfernt. Fachfremde Kollegen und Kolleginnen unterrichten die Fächer ohne fundierte Ausbildung und Kenntnisse. In „Aufbaukursen“ soll Wissen vermittelt werden, das sich die Fachlehrerschaft in einer vierjährigen Ausbildung angeeignet hat. Allein die Vorstellung, eine fachfremde Lehrkraft könne sich dieses Fachwissen in kürzester Zeit selbst aneignen wertet unsere Fächer so sehr ab, dass von einer berufsvorbereitenden Arbeit keine Rede mehr sein kann.

2. Es gibt, um gerade die Fächer KtB und GtB flächendeckend zu unterrichten, viel zu wenige Fachlehrer m/t. Diese Entwicklung hat sich schon seit Jahren angedeutet, es wurde aber kaum etwas dagegen unternommen. Die Aufstockung der Fachlehrerausbildungsstätten in Bayreuth und Augsburg um jeweils 15 Studenten bildet in diesem Falle nur den sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein. Auch aus der Tatsache, dass an den Fachlehrerausbildungsstätten in München und Ansbach das Fach Kommunikationstechnik als Erweiterungsfach angeboten wird, wird sich wohl kaum eine Verbesserung der Fachlehrersituation für den Kommunikationstechnischen Bereich ergeben. Da die Anzahl der Lehrkräfte, die Sport und Musik an der Hauptschule unterrichten dürfen, in den letzten Jahren drastisch gesunken ist, werden die in Ansbach und München ausgebildeten Lehrkräfte wohl hauptsächlich in diesen beiden Unterrichtsfächern eingesetzt werden, um die momentane Zahl an Unterrichtsstunden halten zu können. So wäre es für die Zukunft der Hauptschulen und einen fachlich fundierten Unterricht dringend notwendig, weitere Ausbildungsmöglichkeiten für Fachlehrer m/t zu schaffen. Ausbildungsstätten in Niederbayern und Unterfranken wären sicherlich ein Schritt in die richtige Richtung um gerade diese beiden Bereiche, in denen seit Jahren ein hoher Fachlehrermangel vorherrscht, abzudecken. Abgesehen davon ist die Zahl derjenigen Fachlehrer m/t, die später an einer Hauptschule unterrichten nur ein Bruchteil dessen, was wirklich die Ausbildungsstätten verlässt, da ja auch die Real- und Berufsschulen mit Fachlehrern eingedeckt werden müssen.

3. Der Mangel an Fachlehrern m/t bedingt auch einen Anstieg an Schulwechseln für die einzelnen Lehrkräfte. Immer häufiger werden Fachlehrer an drei oder mehr Schulen eingesetzt, was nicht nur für die einzelne Lehrkraft Nachteile mit sich bringt. Vor allem werden Absprachen mit Kollegen immer schwieriger, Schulorganisatorische Aufgaben, selbst um die kleinsten Angelegenheiten zu regeln, nehmen einen immer höheren Stellenwert ein und der Fachlehrer an sich wird immer häufiger als austauschbar und für den Schulalltag unwichtig eingestuft. Am Ende sind es wie immer die Schüler, die darunter leiden müssen, dass sie ihre Fachlehrkraft kaum mehr erreichen, oder dass Probleme aus Zeitmangel nicht gelöst werden können, weil die Lehrkraft gleich nach dem Unterricht auf dem Weg zur nächsten Schule ist. Dass zudem das Hauptaugenmerk in der Beurteilung einer heutigen Lehrkraft auf dem Bereich der „außerunterrichtlichen Tätigkeiten für die Schule“ liegt, steht zu dieser Tatsache in krassem Widerspruch. Dieser Umstand unterstellt jedem Fachlehrer, der sich in der wenigen Zeit an seiner Zweit-, Dritt- oder sogar Viertschule eher für seinen Unterricht und den einzelnen Schüler einsetzt, als dafür, das Profil der Schule zu stärken, eine schlechte Lehrkraft zu sein.


4. Immer mehr Schulen neigen aus der momentanen Situation heraus dazu, den Mangel an Fachlehrern m/t durch neue Klassenzusammensetzungen zu überbrücken. So ist es mittlerweile häufiger der Fall, dass Fachunterricht in KtB oder GtB in Gruppen mit einer Klassenstärke bis zu 20 Personen gehalten werden muss, in Räumen in denen weder genügend Arbeitsplätze zur Verfügung stehen, noch geltende Bestimmungen zur Sicherheit am Arbeitsplatz eingehalten werden können. Auch sind wohl bereits Fälle aufgetreten, in denen Schüler der 9. und 10. Jahrgangsstufe gemeinsam unterrichtet werden, weil der Fachlehrermangel so groß ist. Um die Schüler wirklich optimal in den Fachbereichen zu schulen ist es nötig, auf die Schüler eingehen zu können. Dies ist bei einer zu hohen Klassenstärke oder in gemischten Gruppen 9/10 nur noch eingeschränkt möglich. Fachgruppen in den Bereichen sollten im allerhöchsten Fall 15 Personen umfassen. Weiterhin ist zu diesem Punkt zu sagen, dass eine Vermischung von Regel- und M-Klassen-Schülern innerhalb einer Gruppe nicht tragbar ist, da eine wirkliche Differenzierung nur sehr schwer aufrecht erhalten werden kann und es kaum möglich ist, ein realistisches Mittlere-Reife-Niveau, entsprechend der Anforderungen an der Realschule, zu erreichen.

5. KtB hat für die Zukunft der Schüler einen hohen Stellenwert, da mittlerweile in fast jedem Beruf mit dem Computer gearbeitet werden muss. Von der ehemaligen Kultusministerin Frau Monika Hohlmeier in einer Rede vom 30.11.2002 als „Kulturtechnik“ tituliert, gewinnt gerade dieser Fachbereich an immer größerer Bedeutung für die Schüler und jeder Art von berufsvorbereitender Schule. Deshalb ist es kaum verständlich, weshalb der KtB-Unterricht in der 7. Jahrgangsstufe nur einstündig stattfindet, während die beiden anderen Fachbereiche doppelstündig angeboten werden. Hier sollte unbedingt eine Aufstockung der Stundenzahl erfolgen. Bereits ab der 8. Klasse wäre eine Aufstockung des Unterrichtsangebotes auf 3 Wochenstunden wünschenswert. Auf diese Weise könnten die Schüler die 8. Jahrgangsstufe mit einem guten Fachwissen beenden, bevor sie sich für die Wahl eines der drei Fachbereiche entscheiden müssen.

6. Der Werkunterricht in der 6. Jahrgangsstufe muss wieder einen wichtigeren Stellenwert erhalten. Aufgrund mangelnder werktechnischer Inhalte ist das Grundwissen der Schüler, wenn sie in die 7. Klasse kommen oftmals nur mittelmäßiger Natur. Deshalb sollte der Fachlehrplan WtG 6 wieder mehr am Folgefach GtB orientiert sein.

7. Buchführung und KtB sind zwei Fächer, die beide einen hohen Stellenwert einnehmen. Es kann also nicht sein, dass der KtB-Unterricht beschnitten wird, um Buchführungsinhalte in diesem Fach mit unterzubringen. Beide Fächer sind zu wichtig, um eines zu kürzen. Deshalb sollte Buchführung aus dem Bereich KtB ausgenommen werden. Für Buchführung sollten eigene Stundenkontingente geschaffen werden, um dieses wichtige Fach ausreichend unterrichten zu können und es nicht nur einigen wenigen Schülern in einer Arbeitsgemeinschaft zu vermitteln. Außerdem sollte Buchführung bereits ab der 7. Jahrgangsstufe unterrichtet werden. Nur unter Beachtung dieser Punkte ist es für die Schüler, die den Mittlere-Reife-Zug der Hauptschule verlassen, überhaupt möglich, mit Schülern einer Realschule zu konkurrieren, wenn es um die Suche einer freien Stelle in kaufmännischen Berufszweigen geht.

Deshalb unsere Wünsche für die Zukunft:

- Mehr Fachlehrer m/t für Bayern, weniger fachfremder Einsatz in unseren Fachbereichen.
- Vor allem in den Prüfungsklassen (9. und 10. Jahrgangsstufe) kein fachfremder Unterricht in unseren Bereichen.
- Weniger „Schultourismus“ für Fachlehrer durch mehr neue Kollegen.

- Kleinere Gruppen in den Fachbereichen. Eine Gruppenstärke von 15 Personen darf keinesfalls überschritten werden.
- KtB in der 7. Jahrgangsstufe zweistündig. Ab der 8. Jahrgangsstufe alle drei Fachbereiche dreistündig.
- WtG 6 wieder mehr werktechnisch orientiert.
- Buchführung als eigenständiges Fach. KtB hat zu viele wichtige Inhalte, um diese zugunsten des Buchführungsunterrichts aus dem Jahresverlauf zu entfernen. Buchführungsunterricht ab der 7. Klasse.

Am Ende sollte also die Aufwertung des praktischen Bereichs im Profil der zukünftigen Hauptschule stehen. Wir hoffen darauf, dass unsere Vorschläge angenommen werden und in die Zukunftsplanung einfließen können und würden uns über eine Antwort auf diesen Brief direkt an Herrn Seibert freuen.

Mit freundlichen Grüßen
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Danke, dass du unsere Vorschläge so schnell "eingebaut&

Beitrag von wodga »

Kleine Schönheitskorrekturen:
Immer häufiger werden Fachlehrer an drei oder mehr Schulen eingesetzt ...
4 Schulen scheint mir doch etwas dick aufgetragen, an zwei oder drei genügt m. E.
weil die Lehrkraft gleich nach dem Unterricht auf dem Weg zur nächsten Schule ist
In der Regel wird darauf geachtet, dass verschiedene Schulen auf verschiedene Tage verteilt werden.
Weniger Schultourismus für Fachlehrer durch mehr neue Kollegen.
Positiv formuliert: Auch Fachlehrer sollten nach Möglichkeit nur an einer Schule unterrichten, um den vielfältigen, auch ausserunterrichtlichen Anforderungen gerecht zu werden.

Dieser Aspekt scheint mir sehr wesentlich zu sein. Bei mir kam es vor, dass ich in einem Schuljahr 4 Fachlehrsäle für GtB und 3 für KtB zu betreuen hatte. Das ist nun beim besten Willen nicht befriedigend zu bewerkstelligen. Das heißt für michnicht, Schulleitung und Fachlehrerersatz ist das in der Regel "wurst", wenn man sich dafür ins Zeug legt, heißt es oft nur "der Kollege und sein [Hobby] Fachlehrsaal".
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Beitrag von Borcas »

Und wieder einmal wird der Unterschied zwischen den Stadt- und Landschulen deutlich. Wenn ihr in München nur zwei oder drei Schulen habt, ist das toll.

Hier, wo es noch viele kleinere Schulen gibt, kommt es durchaus vor, dass Fachlehrer auch in bis zu vier Schulen eingesetzt werden. Das betrifft zwar zur Zeit in unserer Gegend hauptsächlich die HH-Lehrkräfte, aber wir wollen ja auch auf die Fachlehrersituation im Allgemeinen hinweisen.

Und was die Verteilung der Schulen auf unterschiedliche Tage betrifft: Ich bin seit Jahren immer an ein und demselben Tag von meiner Zweitschule zu meiner Erstschule zurück auf dem Weg. Ich hatte auch bereits ein Jahr, an dem ich an einem Tag an drei verschiedenen Schulen unterrichtet habe (Pause Pustekuchen) und ein Jahr, in dem ich an einer Schule bis 13:00 Uhr und an der anderen ab 13:00 Uhr Unterricht hatte... *lach* Du siehst also, was ich schreibe ist nicht aus der Luft gegriffen.

Gruß
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Situation drastischer als erwartet

Beitrag von wodga »

Hallo Borcas,

wenn das bei euch so ist, dann schreib's natürlich rein. Mein Statement wollte nur anregen, in keinem Punkt zu übertreiben um unsere Glaubwürdigkeit zu erhöhen. Aber offenbar ist die Situation in der Praxis drastischer als man es sich ausmalen kann...
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Beitrag von Borcas »

Wobei ich die Zahl wohl dennoch auf 2 - 3 Schulen reduzieren werde, denn das ist wirklich die Ausnahme.

Aber die knappen Schulwechsel, auch mehrfach an einem Tag sind tatsächlich Standard bei uns.
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Beitrag von Bernhard »

Das ist jetzt zwar ein bischen Off-Topic, aber zum Thema "eigener Tag für Zweitschule". Ich habe dieses Jahr eine Zweitschule und da wurde auch zuerst für die Zweitschule ein eigener Tag geschaffen. In der Theorie hört sich das ja super an, aber in der Praxis bekam ich dann von beiden Schulen einen bescheidenen Stundenplan (siehe Stundenplanentwurf).

Deswegen fahr ich jetzt am Mittwoch für die zweite und dritte Stunde von Schule A nach B und wieder zu A zurück. Ist mir aber lieber als 9 Lückenstunden, da die Schulen auch nur 10 Autominuten voneinander entfernt sind.
Du hast keine ausreichende Berechtigung, um die Dateianhänge dieses Beitrags anzusehen.
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Beitrag von tabsi »

Ich denke mal, dass man Herrn Minister Schneider auch darauf aufmerksam machen sollte, dass Lehrkräfte sehr wohl bereit sind, Praktikas zu machen.
Oft wird ihnen vorgehalten, sie hätten zu wenig Ahnung von der Arbeitswelt.

Ich weiß nicht, wie das an der Hauptschule gehandhabt wird. An der Berufsschule bekommt man für 4 Wochen (20 volle Arbeitstage) 3 Jahreswochenstunden.

Als abesehbar war, dass ich Bäckereifachverkäuferinnen unterrichten musste, hab ich sehr viele Praktikas gemacht. Und die haben mir enorm geholfen. Denn wenn man den Schülern erklären kann, wie das in den Betrieben zugeht, kann man die Schüler viel besser auf ihr zukünftiges Leben vorbereiten.

Ich empfehle folgende Lektüre:

http://www.br-online.de/bayern-heute/ar ... /index.xml

tabsi
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Stundenplan - Umgestaltung der Hauptschule

Beitrag von wodga »

@Bernhard: Das mit dem Stundenplan kann ich nur bestätigen!

@Tabsie: Danke für den Artikel. Lieber wird Geld ausgegeben, als das man frägt was wirklich notwendig ist! Dass man damit und einem neuen Namen (!) das Image der Hauptschule verbessern kann, halte ich für sehr fragwürdig!

In Schulanzeigern werden immer mal wieder Praktika für Lehrer angeboten, bei uns leider bisher nur für Lehrer anderer Schularten, oder in den Ferien.
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Re: Stundenplan - Umgestaltung der Hauptschule

Beitrag von tabsi »

wodga hat geschrieben:@Tabsie: In Schulanzeigern werden immer mal wieder Praktika für Lehrer angeboten, bei uns leider bisher nur für Lehrer anderer Schularten, oder in den Ferien.
Lieber wodga, du musst deine Praktikums-Stellen schon selber suchen. Und natürlich sind die in den Ferien, dafür bekommst du ja dann während des Schuljahres Stundenermäßigung.

So wird das jedenfalls an der Berufsschule gehandhabt, wie das im Volksschulbereich ist, entzieht sich meiner Kenntnis.

tabsi
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Beitrag von Borcas »

ÄNDERUNG: Habe jetzt die letzten Kleinigkeiten am Brief geändert und ihn fertig gestellt. Unter dem folgenden Link könnt Ihr den Brief lesen und unsere Aktion unterstützen:

http://fachlehrerseite.de/viewtopic.php?t=930
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