Flache Werkstücke ADE

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Flache Werkstücke ADE

Beitrag von Bernhard » 16.01.2013 11:42

Ich zeichne mit meinen Schülern seit dem aktuellen Lehrplan keine flachen Werkstücke im klassischen Sinn mehr.

In der 7. Klasse skizzieren meine Schüler Quader mit Veränderungen auf allen Achsen.

In der 8. Klasse zeichnen meine Schüler Quader mit Veränderungen auf allen Achsen.

In der 9. Klasse gibt es die Drei-Tafel-Projektion mit Bemaßung. Hier taucht das "flache Werkstück" in der Ansicht auf - mehr nicht.

Ich bin sehr zufrieden mit dieser Vorgehensweise. So kann ich mich in der 7. und 8. Klasse voll auf die Schulung des räumlichen Vorstellungsvermögens stürzen und erreiche bei den Schülern mehr. Da "flache Werkstücke" ja nur eine Sonderform der Dreitafelprojektion mit Bemaßung sind stelle ich die ausführliche Behandlung dieses Inhalts - insbesondere in unteren Jahrgangsstufen - in Frage.
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Re: Flache Werkstücke ADE

Beitrag von Borcas » 16.01.2013 19:23

Wie du dir ja sicherlich schon beim Posten denken konntest, sehe ich das Thema für mich anders.

Das flache Werkstück dient bei mir als Einstieg ins technische Zeichnen an sich. Dafür verzichte ich weitgehend auf die Skizzierübungen, die andernorts gern sehr in die Länge gezogen werden. Aus dem flachen Werkstück entwickle ich dann mit den Schülern durch "anhängen" der Tiefe später die erste räumliche Projektion, das Kabinettbild. Als Vorteil beim Einsatz des flachen Werkstücks empfinde ich, dass ich schon hier, in einer sehr einfach zu zeichnenden Darstellungsart, die ersten wichtigen Veränderungsformen einführen kann. Die Schüler können sich tatsächlich auf die Eigenheiten der einzelnen Veränderungen konzentrieren und ihr Augenmerk gezielt auf Dinge wie Lagemaß, Raummaß, Reihenfolge der Maßangaben, etc. richten, ohne sich nebenbei auch noch mit den Erschwernissen der räumlichen Darstellungsart abzukämpfen. Für mich persönlich ein Vorteil.

Dafür verzichte ich in der 7. Klasse auf die Veränderungen in mehreren Achsen. Da sind deine Schüler dann schon fit, wenn meine noch nie was davon gehört haben. Ganz klar.

Ablauf bei mir:
- 7. Klasse: Flache Werkstücke, Kabinettbild
- 8. Klasse: Veränderungen in allen Ansichten, Isometrie
- 9. Klasse: Dimetrie, 3-Tafel-Bild

Ganz ehrlich gesagt würde ich, wenn dies allein meine Entscheidung wäre (unabhängig von Lehrplan und den Gewohnheiten der Fachkollegenschaft, mit der man parallel arbeiten will), sogar das 3-Tafel-Bild nach vorne ziehen. Denn meiner Meinung nach entwickelt sich ein Raumbild aus den Projektionen des Körpers. Leider ist dies in der 7. Klasse wohl noch etwas zu anspruchsvoll. Habe aber vor Jahren schon einmal mit einer 8. Klasse andersherum gearbeitet. Dort habe ich, nachdem die Grundlagen flaches Werkstück und Kabinett in der 7. geschult waren, zu Beginn des Jahres das 3-Tafel-Bild eingeführt. Erst danach bin ich zur Isometrie übergegangen. Durch diesen Zwischenschritt war den Schülern die Logik des räumlichen Bildes erstaunlich viel schneller verständlich und die Veränderungen in unterschiedlichen Ansichten führten sich quasi wie von selbst ein. Aber wie gesagt, ist halt anders vorgesehen...
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Re: Flache Werkstücke ADE

Beitrag von Bernhard » 16.01.2013 20:08

Vielen Dank für den Einblick in deinen Aufbau Carsten. Ich finde es wichtig, sich über solche Vorgehensweisen zu unterhalten. Vielleicht melden sich ja auch noch andere zu Wort?

Ich habe in der 7. Klasse weder einen Plattensatz in der Schule noch kaufen sich die Schüler TZ-Platten. Dadurch bleibt es halt beim Skizzieren von Quadern mit Veränderungen. Gute M-Klassen skizzieren dann auch bereits in Schwierigkeitsstufe III mit zwei sich überschneidenden Veränderungen.

Die 8. Klasse ist dann vierstündig und es investieren wirklich nur noch die Schüler 35 Euro, die auch die Prüfung machen wollen.
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Re: Flache Werkstücke ADE

Beitrag von Borcas » 16.01.2013 22:06

Klingt gut, wie weit deine Achtklässer kommen.

Wir haben in der 7. ebenfalls keine Platten. Von den Achtklässern (4-stündig) verlangen wir dann allerdings schon, da sie sich für das Fach entschieden haben, die Anschaffung einer Zeichenplatte.

Da ich ab der 9. immer stärkeren Wert auf CAD lege und die Platten deshalb mittlerweile nur noch in der 8. wirklich intensiv genutzt werden, in der 9. und 10. hingegen nur sporadisch, überlege ich aber mittlerweile, ebenfalls auf eine Anschaffung zu verzichten und stattdessen eine Möglichkeit zu finden, einen ordentlichen Satz Platten über die Schule zu finanzieren. Leider ist unsere Stadt relativ klamm, so dass ich wohl eine Möglichkeit finden muss, das Geld selbst ranzuschaffen.
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Re: Flache Werkstücke ADE

Beitrag von Bernhard » 16.01.2013 22:11

Ich habe meinen Absatz oben mal neu sortiert - er war etwas wirr.

Bedeutet das, dass du in der 7. Klasse die flachen Werkstücke und die Kabinettprojektion skizzieren lässt oder nur mit Geodreieck? So ganz versteh ich das noch nicht.
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Re: Flache Werkstücke ADE

Beitrag von Borcas » 16.01.2013 23:48

Meine Schüler machen in der 7. in den ersten 2 bis 3 Wochen Skizzierübungen freihand. Danach wird der Umgang mit dem Geodreieck eingeübt und ab da werden flache Werkstücke mit Geodreieck gezeichnet. Statt Zeichenplatten haben wir 3-mm-Faserplatten, etwas größer als A4, die als Zeichenunterlage dienen (wegen der alten Werkbänke). Ansonsten keine besonderen Hilfsmittel, sondern ganz normales Zeichenwerkzeug wie sie es für die Geometrie eh haben.
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Re: Flache Werkstücke ADE

Beitrag von Edelweiss » 17.01.2013 17:21

Grüß Euch!

Bin inzwischen am Umsteigen:

Bisher hab i
7. Grundkonstruktionen
Flache werkstücke mit Veränderungen
alle Werkstücke bzw. Teile davon oder die Vorderansicht
Kabinettprojektion im Würfel mit einfachen Veränderungen (2. Halbjahr), Freihand/Geodreieck
gemacht. Das meist mit einem normalen Bleistift und einem 3B oder 4B oder weicheren Bleistift, zusätzlich Holzfarbstifte.

8. Kabinettprojektion auf der Platte bis Dezember/Januar.
Isometrie auf der Platte ab Januar.
Quadratsäule/Quader mit Veränderungen
meist HA die Kabinettprojektion dazu

9. Isometrie bis Dezember
3TP als Skizze bis Dezember, Freihand/Geodreieck
ab Januar 3TP auf Platte + Isometrie als HA oder gleich dazu.

Heute mach ich mehr CAD:
7. Freihand
- Flache Werkstücke, Freihand/Geodreieck
- die Werkstücke in der VA, Freihand/Geodreieck
- Kabinettprojektion Würfel / Quadratsäule mit V, Freihand/Geodreieck

8. Isometrie Freihand /Geodreieck
Isometrie in CAD
HA: Kabinett

9. 3TP + Isometrie Werkstück-VA Freihand /Geodreieck
Isometrie bis Dezember in CAD
3TP + ISometrie ab Januar
HA die restlichen Darstellungen

Mach das heuer nur mit CAD zum ersten Mal. Klappt jetzt nach 4? Monaten ganz gut. Werd ich vermutlich bei weiterem Erfolg so beibehalten und die Platte auslassen.

Bin aber weiterhin flexibel und schau links und rechts auf weiter Methodentipps..




VG, Alfons
:) Erstmal an mir arbeiten,
dann die Anderen verbessern.. :cool:

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Re: Flache Werkstücke ADE

Beitrag von bunny » 21.10.2017 11:02

Oh - das hab ich hier eben erst entdeckt. Geb mal meinen Senf dazu:

7. 4 Stunden Skizzierlehrgang: Grundlagen, Linien, Rechtecke, Quadrate, Abstände und Längen schätzen
flache Werkstücke mit allen Veränderungen
Kabinettprojektion Würfel, Quader

8. Zeichengeräte Übungen
Kabinettprojektion als Skizze und Zeichnung
Veränderungen auf allen Achsen (nur prismatische Körper)
(wir hatten die ganze Zeit nur 2 Stunden in der 8. Klasse, ab diesem Jahr 4, da kann sich einiges ändern)

9.Isometrie, 3-Tafel-Bild mit dazugehöriger Isometrie oder Kabinettp., Bemaßung, CAD

Meine Erfahrungen mit den ausführlichen flachen Werkstücken sind sehr gut. Sämtliche Begriffe wie die Grund-, Form-, Lagemaße sind gut eingeübt, Veränderungen sind bekannt, Zeichenschritte sind bekannt. Ich habe schon mehrmals überlegt, ob ich etwas ändere und habe mich immer dagegen entschieden. Die Schüler, die wir zur Zeit haben oder bekommen sind wesentlich besser dran, wenn man sehr kleinschrittige Aufgaben stellt.

Wie sind eure Erfahrungen mit Flüchtlingen? In meiner 8. Klasse sind im Moment die Hälfte Flüchtlinge und haben große Probleme mit fachlichen Dingen.

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Re: Flache Werkstücke ADE

Beitrag von Cati » 24.10.2017 11:12

Interessant zu lesen wie ihr alle arbeitet.

Dieses Jahr habe ich in der 7. Klasse 18 Schüler. Davon sind viele aus der Förderschule gekommen.

Meine Schüler bekommen eine Pappe als Unterlage, ein "stark" kopiertes und kariertes DIN A 4 Blatt und darauf ein leeres weißes Blatt.

Jede Stunde skizziere ich nur einen Teil (zwischen 20 und 40 Minuten).
1. Stunde: Skizzieren gerader Linien
2. Stunde: Skizzieren Rechtecke und Quadrate
3. Stunde: Stufe
4. Stunde: ...

zunächst lasse ich sie Flache Werkstücke skizzieren und erweitere es in die Tiefe. Um sie dann Körper mit Veränderungen in Kabinett skizzieren zu lassen. Zu den Flachen Werkstücken mit den verschiedenen Veränderungen habe ich Modelle, welche sie in Stofftaschen verpackt, erst einmal ertasten dürfen, dann messen, Maße bestimmen und anschließend maßgetreu skizzieren dürfen. Als Hilfe für die Maße haben meine Schüler das karierte Blatt. Mit dem Umrechnen und Zählen der Kästchen sind sie immer ganz schön beschäftigt.

In der 8. Klasse müssen sich alle Schüler eine Zeichenplatte zulegen.

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