Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

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Bernhard
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Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Bernhard » 27.10.2014 12:29

Ich habe schon von mehreren Seiten gehört, dass die Fächerkombinationen in der Fachlehrerausbildung Bayreuth/Augsburg sowohl unpassend (weil sich Sportler/Künstler für dies oder das nicht interessieren) als auch überfrachtet sind. Da Technik aus vielen Inhalten besteht (Werken in verschiedenen Materialbereichen, Technische Bildung inklusive Elektrotechnik, CAD, Technisches Zeichnen, Skizzieren) seien die Inhalte für die insgesamt vierjährige Ausbildung zu massiv um noch drei weitere Fächer zu behandeln. Auch das Fach Textverarbeitung bekam in seiner Aufwertung zu Kommunikationstechnik einen massiven Inhaltszuwachs - die Gesamtausbildungszeit ist aber gleich geblieben.

Wie ist eure Meinung?
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Kathinger
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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Kathinger » 31.10.2014 10:07

Ich habe im September in Augsburg angefangen und muss sagen mir gefällt es eigentlich so wie es ist recht gut.

Ich habe Kunst statt Sport und finde es zwar schon schwierig jetzt neben Kunst noch drei andere Fächer aufgebrummt zu kriegen die ich mir nicht in der Kombination gewählt hätte, sehe jedoch auch die Vorteile und auf jedenfall einen Zusammenhang der Fächer zueinander.
Ich persönlich hätte jedoch gerne Kunst und Sport + Werken und KOM gewählt von dem her ist es schon schade dass man eigentlich keine Wahlmöglichkeit hat, würde aber schätze ich den Rahmen sprängen und das ganze mehr wie ein Studium gliedern mit einzelnen Kursen und nicht wie eine Schulische Ausbildung.
Inhaltlich kann ich nicht viel dazu sagen ob es mehr oder weniger geworden ist, viel ist es auf jedenfall.

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Bernhard
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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Bernhard » 31.10.2014 10:16

Vielen Dank für diesen Beitrag! Wie sehen die anderen Studierenden/Dozenten das?

Ich bekam gerade eben eine weitere positive Meinung per E-Mail.
...Ich war im ersten Abschlussjahrgang, der Kunst statt Steno hatte. Von Überfrachtung war damals noch nichts zu spüren. War eine klasse, umfangreiche und umfassende Ausbildung ...
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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von sunshine-sr » 04.11.2014 21:59

Servus Bernhard,

meine Erfahrung zeigt, dass immer mehr vermittelt aber im Ergebnis immer weniger gewusst wird. Viel Grundlegendes wird nicht als solches behandelt und verliert - vielleicht aufgrund der Stofffülle, sicher aber auch aufgrund der Unkenntnis für das tatsächlich Notwendige - im Verlauf der 4 Jahre an Bedeutung für die Studis. Im 2. Ausbildungsabschnitt werden gerade diese Grundlagen dringendst benötigt. Das war zu "unserer Zeit" schon schlimm, scheint aber tatsächlich noch zugenommen zu haben.

Ein großes Manko ist auch, dass es in der Ausbildung keinen verpflichtenden Maschinenschein mehr für die m/t-ler gibt und anscheinend auch kein Wert mehr auf den fachgerechten und sicheren Umgang mit Kreis- und Bandsäge gelegt wird. Ganz viele FLA trauen sich nicht an die Maschinen und können auch weder ein Sägeblatt wechseln noch die notwendigen Einstellungen an Kreis- und Bandsäge vornehmen. Es ist peinlich, wenn sich Schulleiter darüber beschweren und FLA viel Geld von ihren Schülern für Materialien und Zuschnitte vom Baumarkt oder Werkversand einsammeln müssen, obwohl eine teure Formatkreissäge im Maschinenraum steht.

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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Dominic » 04.11.2014 22:23

Im Jahr 2013/14 wurde das Thema Maschinenschein wieder auf's Tablett gebracht, um genau solche Mängel wieder zu beheben. Dass sich Leute nicht an die Maschinen trauen, liegt aber oft an ihnen selber, weil die meisten von ihnen lieber diejenigen hinschicken, die sich damit auskennen und sich selber nicht damit beschäftigen *wollen*. Da kann auch der beste Werken-Dozent nichts machen, wenn ein Studierender sich nur für Kunst interessiert.

Die Ausbildung soll vier Fachbereiche in zwei Schularten bedienen - um für alle Eventualitäten gerüstet zu sein, müsste noch mehr Stoff enthalten sein, was aber nicht geht. Und nur eine Ausbildung in Kernkompetenzen durchzuführen mit Selbststudium bzw. Wahlfächern würde wahrscheinlich daran scheitern, dass eine gewisse Menge ihre Zusatzthemen nach Gefallen und nicht nach Bedarf aussuchen würden...

Man bekommt viele Möglichkeiten geboten, die man aber auch wahrnehmen muss. Die Frusttoleranz ist niedrig, die Motivation kann dementsprechend tief fallen. Mich selber, auch viele meiner Mitstudierenden, haben die Schulpraktika am ehesten bei der Stange gehalten; egal, was sich ändert, weniger dürfen sie auf keinen Fall sein.

Mein Fazit als Studierender im vierten Jahr: Mir würde es gefallen, wenn der implementierte Stoff gleichmäßiger in Menge und Schwierigkeit verteilt wäre und nicht der subjektiv größte Happen im dritten und letzten Jahr der Fachausbildung zu schlucken wäre. Überfrachtet finde ich die Ausbildung eher nicht, unpassend schon gar nicht; vielleicht ungünstig strukturiert.
:juggle:

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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Bernhard » 04.11.2014 22:36

@sunshine-sr
Schön dich zu lesen. :) In Richtung Maschinenschein denke ich, hat Dominic nicht unrecht mit seiner Argumentation - sehe ich ähnlich. Klar hilft es, wenn etwas vorgeschrieben ist und nicht eventuell nebenbei passiert oder eben nicht.

Deine Antwort klingt nach einem fehlenden jährlichen Aussprachetreffen zwischen erster und zweiter Phase der Fachlehrerbildung. Da dies über mehrere Regierungsbezirke geht müsste das wohl das KM organisieren, damit auch alle da sind, und inhaltlich auch was passieren kann. Oder?

Welche Grundlagen vermisst du? Mehr fachlich oder mehr pägagogisch? Word-Kenntnisse? Umgang mit Schülern?

@Dominic and @ll
Wie sieht es damit aus, ein Fach wegzulassen und die Kombinationen neu zu ordnen? Dann würde der notwendige Stoff sowohl intensiver behandelt werden können als auch besser verteilt?
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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Dominic » 05.11.2014 09:15

Nun, wir haben Kunst/Sport, Werken, Technisches Zeichnen (TZ) und Kommunikationstechnik (KOM).

Werken und TZ sollte man nicht trennen; Kunst wäre schön in Kombination mit diesen Fächern, aber dann hätten die Sportler das Nachsehen. KOM finde ich immens wichtig, erst recht mit den Anforderungen an Kompetenzen und der Projektprüfung. Ergänzend: In der Schulpraxis durfte ich wiederholt erleben, dass man uns Fachlehrern die Kunsterziehung sowieso nicht gönnt...

Also, wenn man *tatsächlich* die Fächerkombination vermindern will, sollte es meiner Meinung nach Kunst/Sport treffen. Die Frage ist allerdings, ob dann die Sportler genug Möglichkeiten hätten, ihr Fach mit anderen Fächerkombinationen auch wahrnehmen zu können. Mir scheint es zu wenig Sportlehrer zu geben. Über die Künstler wird man sich wohl weniger Gedanken machen müssen.

Dessenungeachtet hoffe ich wider aller Wahrscheinlichkeit, dass ich meine vierjährige Kunsterzieherausbildung auch zur Anwendung bringen werden kann. ;-)

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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von xana2 » 05.11.2014 14:30

Hallo,

ich finde es ist dringend nötig, die Kombination zu kürzen; so passen TZ/CAD und Kommunikation zusammen, da an der Realschule z. B. Fachlehrer das Fach IT unterrichten. Dieses Fach besteht aus:

Textverarbeitung
Tabellenkalkulation
Datenbanken
Grundlagentheorie
Präsentation (Power Point)
objektorientiertes Programmieren (Schülerprogramme wie EOS und Scratch)
Bildbearbeitung
Window Explorer und Recherche im Internet
Technisches Zeichnen an der Platte
CAD mit Solid Edge

So das wäre schon genügend! Das ist ein Fach. Es wäre besser, wenn Lehrer ihr Fach oder ihre Fächer wirklich beherrschen!

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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Christine SK » 05.11.2014 17:39

Ich bin seit 2010 als ausgebildete Fachlehrerin m/t tätig und das mit voller Leidenschaft - das ist voll mein Ding. Und ich hatte zudem noch viel Glück da ich eine tolle Stelle in einer Realschule gefunden habe.

Es gibt auch Wermutstropfen: Meiner Meinung nach sind die Anforderungen in der Ausbildung und während des Referendariats im Verhältnis zum Verdienst und zu den Aufstiegsmöglichkeiten viel zu hoch. Ich habe mich mit der Vierfachkombination Kunst-Kommunikationstechnik-TZ-Werken vielfach überfordert gefühlt, weil ich eigentlich nur Kunst und IT machen wollte (das unterrichte ich mittlerweile auch an der Realschule). Werken und TZ war nicht mein Ding und mir ging es wie vielen: Ich habe, weil ich so unsicher an der Kreissäge war, privat einen Maschinenkurs im Kolpingwerk mitgemacht, da es im Staatsinstitut nur einen Crashkurs gab und über die Ängste der "Nichttechniker" nur gelächelt wurde - auch von Lehrkräften.

Ich finde eine Kombination Kunst-Komm-TZ bzw. Sport-Kunst-Komm für die musischen Menschen ist sinnvoll oder eine Kombi TZ-Werken-Komm für die Techniker unter den Studierenden - aber mit 2 Jahren Fachausbildung nicht mit 3, das würde reichen. Außerdem ist es ja auch finanziell sehr schwer, wenn man sich die Studienzeit und evtl. noch die Wohnung oder Fahrtkosten selbst finanzieren muss.

Lächerlich finde ich auch eine Nachqualifizierung für die Realschule machen zu müssen, den ominösen IT-Schein, den andere Lehramtsstudenten mal so nebenbei mitmachen. Nicht selten hat man dann Kollegen und Kolleginnen, die nicht mal das 10-Finger-Tastschreiben selbst beherrschen, geschweige denn von Excel oder Solid-Edge was gehört haben. Das schadet unserem Ansehen als sehr gut ausgebildete Fachlehrer!

Mein Appell: Tut was für die Aufwertung der Fachlehrer - vorallem finanziell, den wir verbringen auch 6 Jahre unseres Lebens mit der Ausbildung bevor wir unterrichten dürfen - genauso wie andere Uni-Lehramtsstudenten auch, die mit A 12 einsteigen, was wir nur nach vielen Jahren, wenn überhaupt erreichen können. ;)

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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von RedRuM » 05.11.2014 18:35

Der Beruf des Fachlehrers muss aufgewertet werden.
Voraussetzungen: Entweder eine abgeschlossene Berufsausbildung oder Fachabitur mit einjährigem Berufspraktikum. Also niemand mehr sollte direkt vom Schüler zum Lehrer werden können. Das verlangt schon unsere Bindung an das Fach AWT und die Berufsorientierung sowie die geplante Ausrichtung des neuen (und alten) Lehrplans auf übergeordnete Kompetenzen.

Lehrer sein bedeutet (fachlich), sich Sachverhalte selbstständig (!) und umfassend zu erschließen, sie auf das Niveau der Schüler anpassen und geplant zu vermitteln. Dazu sollte der zukünftige Lehramtsanwärter durch die Ausbildung in den Instituten befähigt werden. Die Fachausbildung sollte sich nicht in kleinsten Schritten erschöpfen und vom Studierenden fordern, sich fachlich und pädagogisch mit Inhalten selbstständig auseinander zu setzen. Dies verhindert im späteren beruflichen Alltag eine „kenn ich nicht – mach ich nicht“ Mentalität.
Pädagogisch sollte die Ausbildung an die Universität gekoppelt, viel früher in der Ausbildung stattfinden und mit schulpraktischen Erprobungen verbunden werden.
Im Bereich der Arbeitssicherheit würde ich die Tatsache, dass Studierende (wohl) keine Sicherheitsunterweisung in die zu bedienenden Maschinen erhalten, schon fast als lächerlich bezeichnen. Das ist in jedem Ausbildungsberuf der IHK ein Standard.

Nachtrag: Während meiner Ausbildung wurde diese Unterweisung in vorbildlicher Weise durchgeführt!

Wenn hoch vorqualifizierte Menschen dazu motivieren werden sollen, eine sechsjährige Ausbildung mit universitärem Niveau zu absolvieren, muss ich diese auch entsprechend bezahlen (A12) bei 25 Unterrichts- und 2 Fortbildungs- oder Hospitationsstunden.
Ich höre zunehmend von Kolleginnen und Kollegen, die sich trotz erfolgreicher FPO II vom Beruf des Fachlehrers abwenden. Darüber hinaus dürfte auch der der Mangel an Bewerbern dazu führen, dass die Diskussion jetzt neu aufgerollt wird. Augsburg hatte heuer meines Wissens eine Gruppe weniger als möglich.
Ich habe eingangs von einer Aufwertung gesprochen. Ich fürchte jedoch, dass eine Gegenentwicklung einsetzt. Es werden wohl Inhalte gestrichen, um wieder Bewerber zu finden.
Zuletzt geändert von RedRuM am 06.11.2014 17:58, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Florian » 05.11.2014 19:07

Ich glaub das ganze ist ein sehr schwieriges Thema, da viele Dinge welche die Ausbildung und den späteren Beruf betreffen zusammen kommen.

So denke ich das die "Überfrachtung" evtl. gar nicht das Problem ist sondern oft schon die "Ilusionen" der Studierenden, so zum Beispiel:

Ich möchte Kunstlehrer/Sportlehrer werden und habe im Nebenfach Werken und Wirtschaft. Die Realität sieht eher so aus, viel Technik und Wirtschaft und wenig Kunst/Sport.

Ich bin das erste Jahr nach dem Ref und habe kein Kunst mehr mit der Begründung: "Kunst können auch Kollegen die das im Nebenfach studiert haben unterrichten oder auch Fachfremd, aber Technik und Wirtschaft soll nicht Fachfremd unterrichter werden."

Aber um auf die Frage der Überfrachtung zurück zu kommen, gewisse Inhalte werden vertieft behandelt und andrere gerade im Bereich Didaktik kommen leider zu kurz (meine subjektive Meinung).

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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Wolfshöfer » 06.11.2014 06:26

Es vermischen sich in den Forumsbeiträgen nun mehrere verschiedene Kritikpunkte, welche sicherlich teilweise berechtigt, andererseit zu entkräften sind.

- Maschinenschein
Fakt ist, dass mit dem Bestehen der Fachabschlussprüfung (3. AJ) für Fachlehrkräfte m/t der Maschinenschein erteilt ist. Regierungen, Schulämter und Schulleitungen sollten diesbzgl. erneut informiert werden...
Für Fachlehrkräfte E/G gilt diese jedoch nicht. Sollten inhaltliche Nachbesserungen notwendig sein, greifen wir diese gerne auf.

- Fachfülle
Ich stimme Ihnen zu, dass das Fach TZ in seiner jetzigen Form alleinig sehr isoliert gesehen werden kann. An einer Integration in die Fachbereiche KOM und Technik wird gearbeitet.

- Praxisbezogne Ausbildung
Es zeichnet gerade die Fachlehrerausbildung aus, dass wir praxisorientiert (Schulpraktika ab dem 1. AJ) ausbilden. Eine Ausbildung ähnlich der universitären Ausbildung (Lehramt wird vielerorts nur als Anhängsel der Lehrstühle gesehen) scheint nicht erstrebenswerter zu sein.

- Kooperation zwischen den verschiedenen Ausbildungsphasen
Die engere Verzahnung der Fachausbildung und der päd. Ausbildung (4. AJ) wird bereits derzeit verstärkt forciert. Pädagogische Inhalte finden nun bereits in den ersten Ausbildungsjahren mehr Gewicht.
Die Anregung der Kooperation zwischen Ausbildung am Institut und der Ausbildung der Anwärter greife ich gerne auf und werde mich dementsprechend engagieren.

Mit der Hoffnung auf rege Diskussionen....

Holger Edlich-Wolfshöfer
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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von RedRuM » 06.11.2014 09:39

@Wolfshöfer: Es geht mir bei der Forderung nach Angliederung an Studiengänge nicht um qualitative Fragen. Da würde ich die praxisnahe Ausbildung der Fachlehrer vielleicht sogar als durchdachter bezeichnen. Es geht vielmehr um Anerkennung als gleichwertige Ausbildung bzw. gleichwertiges Studium. Dies ist für viele Studierende auch im Hinblick auf die Finanizierung der Ausbildung wichtig.

Ich bitte ebenfalls darum, den Diskussionspunkt der Eingangsvorraussetzung im Zusammenhang mit der Attraktivitätssteigerung durch entsprechende spätere Besoldung in die Diskussion aufzunehmen.

Bezüglich des Maschinenscheins habe ich persönlich die Erfahrung gemacht, dass wir sehr wohl eine ausgezeichnete Ausbildung im Umgang mit Maschinen erhalten haben. Die Beiträge mancher Nutzer hatten bei mir einen anderen Eindruck erweckt.

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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Borcas » 07.11.2014 20:31

Da ist ja mal eine sehr interessante Diskussion im Gange, die in so viele Richtungen führt, dass es kaum möglich ist, noch Schritt zu halten! Wenn eine einfache Frage solche weitverzweigten Diskussionen nach sich zieht, scheint tatsächlich einiges im Argen zu liegen...

Auch zu unserer Zeit als Studierenden gab es diverse Dinge, die auf der Strecke blieben für andere Inhalte, die im tatsächlichen Lehrberuf kaum Nutzen bringen. Ich gehe davon aus, dass dies ein Effekt ist, der sich so leicht nicht einbremsen lässt. Dennoch halte ich es nach wie vor für schwierig, dass, wie oben bereits beschrieben, ein Kontakt zwischen Ausbildung und Seminar kaum stattfindet und der Informationsfluss hier nicht stimmt. Wenn ich mir anschaue, welches gewaltige Fachwissen unsere Studenten in manchen Lernbereichen aus der Ausbildung mitbringen, damit aber vergleiche, wieviele Dinge, die im Seminar als "selbstverständlich" erachtet werden und zum täglichen Brot des Lehrers an sich gehören, auf der Strecke bleiben, finde ich dies erschreckend. Eine Fachausbildung, die mit ihrem Praxisbezug wirbt und Studenten ab dem ersten Jahr hospitieren und eigene Unterrichte halten lässt, sollte hier nachbessern, um erst einmal Grundlagen zu vermitteln. Studenten der Ausbildungsstätten wissen beispielsweise nicht, wie man einen Unterrichtsverlaufsplan erstellen kann, um seinen Unterricht im Voraus zu strukturieren, sollen aber selbst vor einer Klasse stehen und sinnvoll und geplant Wissen vermitteln. Ich denke, bevor wir über die Inhaltsdichte und Zusammenlegung von Studienbereichen innerhalb der Fachausbildung diskutieren, sollte erst einmal an solchen Grundlagen gefeilt werden.

Was mir als zweites zur Diskussion einfällt ist, dass ich es ausgesprochen schade finde, dass in der Ausbildung (auch mit dem Gedankengang, die Fächer innerhalb des Studiums so umzustrukturieren, wie sie an der Realschule auf der Stundentafel stehen) grundsätzlich das Augenmerk auf die Realschulen gerichtet ist. Es handelt sich um eine Ausbildung für Fachlehrer an allgemeinbildenden Schulen und von den Absolventen wird nur ein Bruchteil später an einer Realschule unterrichten. Die Mehrheit der Kollegen wird auch künftig (falls die Mittelschulen nicht plötzlich doch noch vom Erdboden verschwinden) an Haupt- oder Mittelschulen landen und sich mit den dortigen Verhältnissen auseinandersetzen müssen. Abgesehen davon, dass zumindest der Vorbereitungsdienst grundsätzlich im Bereich der Mittelschulen abgeleistet wird, bedeutet dies auch für die meisten Kollegen den späteren Arbeitsalltag. Deshalb bin ich sehr skeptisch, was die Angleichung von Fachbereichen an den Realschulbereich angeht, sehe es weiterhin aber auch genauso kritisch, wenn Studenten fachlich auf die Ansprüche der 10. Klasse Realschule und weit darüber hinaus vorbereitet werden, es aber an dem, was an unseren heutigen Mittelschulen im Vordergrund steht, oftmals hapert: Pädagogik, Menschlichkeit, Einfühlungsvermögen, Geduld, starke Nerven, etc... Da wundert es mich überhaupt nicht, dass auch ich immer häufiger von angehenden Kollegen höre, die den Arbeitsalltag "nicht verkraften", ihre Illusionen, die sie während der Ausbildungsphase noch haben, verlieren und nach langjähriger Ausbildung alles hinschmeißen. Eine Vermittlung von realitätsnahen Zuständen wäre hier wünschenswert, um die jungen Kollegen bereits frühzeitig Schritt für Schritt auf ihre tatsächlichen Aufgaben vorzubereiten, anstatt sie teilweise blauäugig ins kalte Wasser zu werfen und zu schauen, wer es schafft, sich an der Oberfläche zu halten.

Und auch das Thema "Ich habe Kunst gewählt ... und finde es nun schwierig, noch drei weitere Fächer zu lernen ..." spricht für nichts anderes als denselben Punkt, nämlich dass auch hier nicht vollends mit aufgedeckten Karten gespielt wird. Wie oben schon einmal zu lesen war, sieht die Realität komplett anders aus. Ich kenne keinen Fachlehrer m/t, für den der werkpraktische und informationstechnische Unterricht "Nebenfächer" sind. Vielleicht wäre es an der Zeit, den Studierenden ehrlich zu sagen, was in der Praxis auf sie zukommt. Auch auf die Gefahr hin, dass dann der Eine oder Andere schon während des Studiums aussteigt. Der Staat hat aber von einem Studierenden, der im Vorbereitungsdienst oder danach die Laufbahn als Fachlehrer verlässt genauso wenig, abgesehen von zusätzlichen Kosten für die Ausbildung. Und den Studierenden gegenüber wäre es nur fair, sie auf die Zukunft mit allen Wenns und Abers vorzubereiten.
http://www.borcas.de <-- Fachlehrerinfos und mehr

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Re: Ist die Fächerkombination in Augsburg und Bayreuth überfrachtet?

Beitrag von Bernhard » 09.11.2014 01:36

Ich habe mich dieses Wochenende mit BLLV-Kollegen getroffen um über Fachlehrerthemen zu sprechen (Fachgruppe Fachlehrer). Deswegen hatte ich ja alle Forenteilnehmer auf diesen Beitrag hier aufmerksam gemacht. Ich kam am Freitag Vormittag zu folgender subjektiver Einschätzung:

Die Thematik ist für die Studierenden nicht so brisant wie es erschien und bezüglich der !eigentlichen Fragestellung! scheint es keinen dringenden Handlungsbedarf zu geben. Ich würde es eher als eine Vision sehen: Eine freiere Wahl der Fächer käme den zukünftigen Fachlehrern entgegen. Dies galt auch schon zu meiner Zeit - ich hätte gerne auf Steno verzichtet. Eine Aufteilung in "pro Jahr ein Fach" und dabei relativ freie Wahl hat aber auch Nachteile die im Gegenzug bei den Studierenden wahrscheinlich auch nicht gut ankämen. Man wird es in diesem Punkt wohl nie allen recht machen können. Was jetzt nicht bedeutet, dass ich nicht Verständnis für solche Forderungen habe.

Ich freue mich sehr über die direkte Diskussionsbeteiligung von Herrn Wolfshöfer! Eine Aussprache zwischen 1. und 2. Phase ist sicherlich für das Verständnis von beiden Seiten hilfreich. Besprechungen über mögliche Mängel bei Anwärtern passen wohl besser in die direkte Kommunikation zwischen Institut, Seminarleitung und Beratungslehrern und nicht in die Öffentlichkeit - dies erzeugt sonst zu schnell einen falschen Eindruck von der hochwertigen Ausbildung. (Funktionshinweis: An registrierte Forenmitglieder lassen sich Private Nachrichten als auch E-Mails direkt über die Seite schreiben!)

Bezüglich Besoldung etc:
Ja, ich bin auch der Meinung, dass wir Fachlehrer einen Zugang zur nächsthöheren Laufbahn haben sollten.
Ja, Beförderungsstellen in A12 sollten ausgeweitet werden.
Ja, ...

Aber! Bildungspolitische Diskussionen sind auf dieser Seite nicht mehr öffentlich.
Weitere Infos: http://fachlehrerseite.de/page/mitglied_werden

Öffentlich geht es hier: http://forum.fachlehrerpolitik.de/

Die Diskussion geht hier weiter: http://fachlehrerseite.de/viewtopic.php?f=182&t=4228
Ich muss diese Diskussion leider schliessen, da ich nicht ständig bildungspolitische Diskussionen abtrennen möchte.
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