Methoden Projektprüfung

Diskussionen, Beobachtungsbögen, Laufzettel und andere Hilfen
Forumsregeln
Beobachtungsbögen, Laufzettel und andere Hilfen zur Organisation. Leittexte für Übungen bitte im jeweiligen Fachbereich einstellen! Projektprüfungen gehören in die nichtöffentlichen Unterforen.
Peter Gunesch E/G
Gast

Methoden Projektprüfung

Beitrag von Peter Gunesch E/G » 17.11.2011 11:15

Hallo alle zusammen, besonders an alle die mich noch aus dem Staatsinstitut für die Ausbildung von Fachlehrern aus Augsburg kennen. Ich bin erst kürzlich auf diese Seite gekommen, da ich bei meinen Internetrechergen die neuen Begriffe aus meinem Fachbereich wie Soziales und E/G (Ernährung und Gestaltung) eingegeben habe und somit keinen Treffer für diese Seite erhalten habe. Ich habe diese Seite schon durchstöbert und finde sie sehr gut. Ich habe schon während meiner Seminarzeit schon gezielt auf die Projektprüfung hingearbeitet und habe dazu auch schon mehrere Fortbildungen gehalten. Die Prüfung als solches wird als das Problem schlechthin dargestellt, ist aber nicht das eigentliche Problem! Bisher war die Prüfung sehr eingeengt und es wurden nur Teilbereiche und vorwiegend Fachkompetenz abgefragt. Die eigentliche Änderung ist die Form des Unterrichtens, die für wenige Altlehrer einsichtig ist, da sie noch nie anders als bisher unterrichtet haben. Bisher war der Lehrer Wissensvermittler, nun ist er Initiator von Lernprozessen und begleitet diese (er steht für Hilfestellungen zur Verfügung). Das bedeutet eine völlige Umstellung und Strukturierung des Unterrichts vom fast ausschließlichen Frontalunterricht zum kompetenzorientierten Unterricht. Das bedeutet, dass die Kompetenzbereiche (Ich-, Sozial-, Fach-, Methoden- und die daraus resultierende Handlungskompetenz) in jeder UE angesprochen werden müssen. Diese Unterrichtsform basiert auf eine offene Sequenzplanung (Sequenzplan hängt für alle Schüler aus, kann eingesehen werden und je nach Jahrgangsstufe mitbestimmt werden), sinnstiftendes Arbeiten im Team (Schüler arbeiten im Team, welches ausgelost wird, mit einem Teamchef (Weisungsbefugt und verantwortlich für das ganze Team), der alle zwei Wochen automatisch wechselt zusammen. Die Schüler erhalten unterschiedliche Aufgaben und präsentieren ihre Ergebnisse der ganzen Gruppe) und das Schaffen ausreichender Reflexionsmöglichkeiten im Unterricht (Schüler geben anderen Feed-Back, füllen Reflexionsbögen aus, vollziehen Unterrichtsgeschehen nach und lernen eigene Stärken und Schwächen einzuschätzen und zu nutzen). Es bedarf einiger Anstrengungen diese Form des Unterrichtens einzuschulen, jedoch sind die Ergebnisse nicht zu toppen. Die Schüler lernen eigenverantwortlich zu agieren und können durch das stetige Präsentieren sich besser artikulieren ... (dafür würden 10 DinA 4-Seiten nicht ausreichen). Bei mir im WTG-Unterricht lernen die Schüler z. B. zuerst die Arbeitstechnik und können diese üben und arbeiten erst danach das eigentliche Werkstück (Vorteile: Schüler können üben bis sie die Technik beherrschen und fertigen in der Regel ein besseres Werkstück, lernen ihre Fähigkeiten kennen und einzuschätzen und wissen auch noch nach einem Jahr oder länger, was sie eigentlich gemacht haben. Nachteile: Nimmt wesentlich mehr Zeit und Geld (mehr Material) in Anspruch und der Unterricht ist recht offen (Lehrer muss, um Langeweile vorzubeugen, Zusatzaufgaben stellen). Ich bewerkstellige dies mit Werkstattgeheften. Darin ist alles enthalten, was die Schüler wissen müssen (Pflicht), Zusatzaufgaben (Experten) sind so viele enthalten, dass sich kein Schüler langweilen muss. Am Anfang des Werkstattgeheftes steht alles, was der Schüler am Ende (Werkstattprüfung: Die Schüler absolvieren eine Prüfung über das Sequenzthema (z. B. Holz 3. Klasse: Raspeln, Feilen, Schleifen von Holz, Holzarten ... im Team Aufgabe in Leittextform und präsentieren ihr Ergebnis im Team den anderen Mitschülern). Die Prüfung gibt mir, aber auch den Schülern Aufschluss über ihren Leistungsstand. Wichtig: Die Arbeit geht über mehrere UE´s und die Schüler müssen nicht immer eine bestimmte Reihenfolge berücksichtigen (viele wollen sich vor der Theorie drücken und machen diese erst gar nicht. Lösung: Die Schüler unterschreiben den einzelnen Bereich, den sie erledigt haben, aber erst wenn sie ihn beherrschen. Dabei wird es immer Schüler geben, die einfach unterschreiben, ohne dies zu beherrschen. Das muss der Lehrer beobachten und sofort darauf eingehen und thematisieren. Zudem kann der Lehrer einzelne Schüler ansprechen, die in einer UE nichts unterschrieben haben, dass sie heute praktisch keine Leistung erbracht haben und sie sich nicht angestrengt haben). Ist zum Einschulen sehr anstrengend, ist für Schüler und Lehrer viel besser. Der Schüler lernt ungemein mehr und in einer höheren Qualität, der Lehrer hat viel Zeit für Unterrichtsbeobachtungen (Arbeitsverhalten, Lernfortschritte, ... wird zur Bewertung mit herangezogen). Ich könnte darüber sehr, sehr viel schreiben, aber um Einsicht zu erzeugen, müsste ich so weit ins Detail gehen, dass ich eine über 100-seitige Abhandlung darüber verfassen müsste.
Schöne Grüße vor allem an dich Bernhard,


Peter Gunesch
PS: Ich unterrichte neben Soziales 8; WTG 3,4,5,6 auch Kunst 5,6,8; AWT 8; Technik 7 und versuche dies auch in diese Unterrichtsform zu bringen. Leider sind diese Fächer für mich neu und durch den Knotenlehrplan muss ich meine Jahresplanung von AWT und Soziales in Einklang bringen. Da ich das Fach noch nie unterrichtet habe, muss ich mich erst mal einlesen (erst am 15.11.11 dazubekommen).

Benutzeravatar
Bernhard
SEIBERT
SEIBERT
Beiträge: 3151
Registriert: 23.05.2004 00:48
Name: Bernhard Seibert
Ausbildungsort: Augsburg
Ausbildungsjahr: 2002
Wohnort: Buttenwiesen

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Bernhard » 17.11.2011 14:08

Hallo Peter,

vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Du beschreibst mehrere Methoden die du in deinem Unterricht einsetzt auf einmal. Ich fände es super, wenn du diese getrennt von einander in unserem Forenbereich für Methoden beschreiben könntest. Ein Beispiel dazu wäre schön aber ist natürlich kein Muss. Link: http://fachlehrerseite.de/viewforum.php?f=220

Um die Projektprüfung zu diskutieren gibt es ja einen eigenen Forenbereich (vorletztes Forum). Ich werde dich später noch dahin verschieben.

Ich habe mir erlaubt, meinen Namen als "Gastautor" zu entfernen da der Beitrag ja nicht von mir stammt, dafür deinen vorherigen Betreff einzusetzen und statt dessen einen neuen Betreff zu wählen. :) Kann es sein, dass du dich mittlerweile als Peter G angemeldet hast? Dann kann ich dir diesen Beitrag noch zuordnen.

Nach deinem Hinweis ist mir aufgefallen, dass der Fachbereich "Gestalten" heißt. Ich hab das Wort "Gestaltung" noch in den Untertitel gesetzt, damit wir mit Ernährung und Gestaltung besser gefunden werden können.

Danke

Bernhard
Ich beantworte keine Fragen per PN oder Mail die im Forum beantwortet werden können!
Meine Seite für Schüler: www.herrseibert.de
Meine private Seite: www.nachtelb.de

Benutzeravatar
Borcas
Moderator
Moderator
Beiträge: 2290
Registriert: 24.05.2004 14:10
Ausbildungsort: Bayreuth
Ausbildungsjahr: 2000
Wohnort: Weidenberg

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Borcas » 19.11.2011 11:52

Hallo Peter,

vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag. Du beschreibst viele tolle Ideen für die Umsetzung des schülerorientierten Lernens. Wie Bernhard schon sagt, wäre eine genaue Vorstellung der einzelnen Methoden super.

Wo ich dir allerdings ein klein wenig widersprechen möchte, ist der Einstieg zu deinem Beitrag. Verallgemeinerungen wie "Die Prüfung als solches wird als das Problem schlechthin dargestellt, ist aber nicht das eigentliche Problem!" und "die für wenige Altlehrer einsichtig ist, da sie noch nie anders als bisher unterrichtet haben" halte ich für schwierig.

Zum einen sind Engagement und Flexibilität nicht vom Dienstalter abhängig. Ich kenne genauso viele "ältere" Kollegen, die mit Spaß an neue Ideen herangehen und die Projektprüfung schon aktiv durchführen und testen, wie "jüngere". Ebenso ist die Zahl derjenigen unter uns "noch jüngeren" genauso hoch wie bei den erfahreneren Kollegen, die keine Lust darauf haben, weil es Mehrarbeit bedeutet. Schau' dich mal in deinem Kollegenkreis genauer um, und dir wird es sicherlich ähnlich ergehen.

Zum anderen habe ich die Projektprüfung jetzt selbst schon getestet. Und es ist nicht so, dass ich die neuen Methoden und Herangehensweisen nicht vermitteln konnte, oder dass die Schüler es nicht angenommen hätten. Im Gegenteil waren sie mit Spaß bei der Sache und haben tolle Ergebnisse (für die ersten Testläufe) geliefert. Dennoch sehe ich die Prüfung in mancherlei Hinsicht als Problem. Zum Beispiel ist mir immer noch nicht klar, wie eine Projektprüfung finanziert werden soll, wenn ich pro Schüler von der Kommune (wer wie ich in einem "armen" Landkreis eingesetzt ist, wird wissen, wovon ich spreche)1,50 € für Prüfungsmaterial zur Verfügung gestellt bekomme. Wo ich bisher mit meinen Geldern im Schulhaus insofern ein wenig jonglieren konnte, dass für die Prüfung auch Material mitverwendet wurde, dass eben schon da war, bleibt mir diese Möglichkeit künftig verwehrt. Und welchen Schüler kann ich losschicken und sagen: "Kaufe für dein Werkstück Material im Höchstwert von 1,50 €"? Eigentlich müssten dafür Gelder vom Kultusministerium fließen, die die Projektprüfungen finanziell besser ausstatten, so dass vor allem Beispiele, wie sie uns auf Fortbildungen vermittelt werden, überhaupt umsetzbar sind. Mit dem, was ich zur Verfügung habe, bin ich von "Beispielen für die Projektprüfung" vom ISB weeeeiiiiit entfernt. Ein anderes Beispiel für "die Prüfung selbst ist das Problem" ist auch, dass fachliche Inhalte, die, wie du schreibst, bisher als
nur Teilbereiche und vorwiegend Fachkompetenz
abgefragt wurden, in der Prüfung noch bruchstückhafter zur Geltung kommen. Dies betrifft vor allem den Bereich Wirtschaft, wo in sämtlichen Beispielen, die ich bisher von irgendeiner offiziellen Seite gesehen habe Printprodukte gefertigt wurden, oder ähnliches. Hier wird der Fachbereich "Layout" in ausführlichster Art und Weise abgefragt. Lasse ich zur Aufgabe noch eine Tabellenkalkulation als Kostenanalyse erstellen, schön. Will ich jetzt aber auch noch einen Briefverkehr erstellen, sprengt das schon bei weitem den Rahmen, der in der vorgegebenen Prüfungszeit bei schülerzentriertem und vor allem produktorientiertem Arbeiten möglich ist. Und wo bleibt die Abfrage der Schreibleistung? Die wird künftig komplett unter den Teppich gekehrt. In Wirklichkeit fragen wir die Inhalte des Lehrplans im Jahresverlauf ab und geben darauf auch unsere Noten (Lehrplanvorgaben müssen ja trotz Prüfungsänderung und damit einhergehender Mehrarbeit für Lehrer und Schüler eingehalten werden). Und am Ende der 9. Klasse machen wir dann eine ganz andere Aufgabe. Welcher Kollege wird seinen Schülern, die ein Jahr lang gut gearbeitet haben und in allen schriftlichen Aufgaben gute Noten hatten, dann wirklich eine ehrliche schlechtere Note geben, wenn es an der Präsentation hapert? Ich finde das schwierig.

So, ... jetzt habe ich unheimlich viel geschrieben, viel mehr, als ich eigentlich wollte. Ich bin niemand, der die Projektprüfung verteufelt und ich habe sie auch (mit für mich selbst erstaunlich motivierten Schülern) schon getestet. Dennoch denke ich, dass die Fachprüfungen bisher nicht schlecht waren und beide Dinge ihre Vor- und Nachteile haben.

Grüßle

Carsten
http://www.borcas.de <-- Fachlehrerinfos und mehr

Peter G
motiviert
motiviert
Beiträge: 37
Registriert: 11.11.2011 07:55
Wohnort: Diedorf

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Peter G » 21.11.2011 13:45

Lieber Carsten, wie du mir deine Vorgehensweise beschreibst, gehe ich davon aus, dass du den richtigen Weg zur Projektprüfung beschreitest. Wichtig vorweg ist, dass du die momentanen Probleme beschreibst, wie die unzureichende Präsentation. Die Präsentation wird bei mir schon in der Grundschule eingeschult, für die Hauptschule muss diese spätestens in der 7. Klasse eingeschult und abverlangt werden (nicht nur in unseren Fächern sondern in allen). Nachdem dies an den meisten Schulen noch nicht passiert ist oder passiert, ist dies eine Übergangsphase, in der die Schulen intern mögliche Lösungswege suchen und finden müssen. Für mich als Bewerter der Projektprüfung in diesem Schuljahr ist eindeutig klar, dass ich die Präsentation nicht so hoch bewerten werde, da die Schüler nicht genug darauf vorbereitet wurden. D. h. ich verlange den Schülern nur das ab, was eingeschult wurde und eine gute Präsentation muss über einen längeren Zeitraum eingeschult werden mit einheitlichen, schulintern festgelegten Kriterien. Bei mir hält jede Stunde das sog. Expertenteam ein Referat (über Theorie) und die anderen Schüler präsentieren ihre Arbeit. Die Schüler gewöhnen sich relativ schnell an diese Form des Unterrichts und bringen nach ausgiebigen Feedbacks und Verbesserungsvorschlägen sehr sehr gute Leistungen.
Man muss sich an den Gedanken gewöhnen, dass die Projektprüfung erst wachsen muss. Es kann bei bisherigem Unterricht kein Schüler die Anforderungen erfüllen und die Lehrer müssen ihren Unterricht soweit umstellen, dass alle abverlangten Kompetenzen eingeschult worden sind. Das ist ein längerer Prozess für Schüler, Lehrer und Schule.

MfG Peter

Benutzeravatar
Borcas
Moderator
Moderator
Beiträge: 2290
Registriert: 24.05.2004 14:10
Ausbildungsort: Bayreuth
Ausbildungsjahr: 2000
Wohnort: Weidenberg

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Borcas » 21.11.2011 15:56

Hallo Peter,

ich glaube, du hast mich da ein wenig falsch verstanden. Ich sehe die Präsentation nicht als das Problem an. Im Gegenteil war ich vom Engagement und auch von den Vorträgen unserer Schüler positiv überrascht.

Was mich stört ist, dass die Strukturen von außen nicht geschaffen werden, die für eine wirklich gute Durchführung der Projektprüfung notwendig werden und dass wichtige Inhalte des Jahres in der Projektprüfung nicht zur Geltung kommen können.

Da hilft es mir auch nicht, dass ich die Prüfung an die an meiner Schule vorhandenen "Gegebenheiten" anpassen soll. Der einzige Effekt, der hierbei entsteht, ist, dass Prüfungen künftig noch weniger vergleichbar sind, als bisher. Der Schüler, der aus der Stadt kommt, an einer Schule mit wenigen finanziellen Mitteln, hat eine völlig andere Projektprüfung hinter sich, als der, der eine Landschule mit guter finanzieller Ausstattung besucht hat. Und beide bewerben sich auf dieselbe Lehrstelle.

Für mich nicht in Ordnung. Da waren mir Prüfungen mit klaren Vorgaben wie bisher einfach lieber.
http://www.borcas.de <-- Fachlehrerinfos und mehr

Marina
Foren-Junkie
Foren-Junkie
Beiträge: 278
Registriert: 11.08.2006 15:41
Wohnort: Oberpfalz

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Marina » 21.11.2011 19:59

Für mich ist die fehlender Vergleichbarkeit der Projektprüfungen der größte Nachteil (neben den Riesenaufwand an Organisation). Und die kommt m. M. n. nicht (nur) von der fehlenden Ausstattung, sondern eher von der ganz anderen Herangehensweise, Aufgabenstellung und Bewertung. Früher gab es zumindest die gleichen Prüfungsgebiete, auch wenn natürlich die Aufgaben und die Schwierigkeit unterschiedlich waren. Heute kann ja jeder machen was er will, speziell in Wirtschaft gibt es überhaupt keine Anhaltspunkte mehr - Layout oder Excel oder Brief (in welcher Form auch immer) oder Internetpräsentation oder Telekommunikation oder Texteingabe oder alles miteinander? Bleibt jeder Schule selbst überlassen. Und das soll fair sein?

Benutzeravatar
Bernhard
SEIBERT
SEIBERT
Beiträge: 3151
Registriert: 23.05.2004 00:48
Name: Bernhard Seibert
Ausbildungsort: Augsburg
Ausbildungsjahr: 2002
Wohnort: Buttenwiesen

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Bernhard » 21.11.2011 21:02

*Bernhard trägt die Diskussion wie versprochen in das Forum Projektprüfung*
Ich beantworte keine Fragen per PN oder Mail die im Forum beantwortet werden können!
Meine Seite für Schüler: www.herrseibert.de
Meine private Seite: www.nachtelb.de

Peter G
motiviert
motiviert
Beiträge: 37
Registriert: 11.11.2011 07:55
Wohnort: Diedorf

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Peter G » 22.11.2011 14:08

Hallo, an der neuen Prüfungsordnung ist das schöne, dass der Fachlehrer die Prüfung nach seinen Wünschen gestalten kann. Z. B. wenn du unbedingt einen Brief schreiben lassen willst, dann kannst du das abverlangen. Du kannst soweit gehen, dass du ein allgemeines Szenario für deine Klasse wählst und die Aufgaben (Brief, Excel-Tabelle, ...) auf die einzelnen Teams verteilst. Selbst hier hast du die Möglichkeit von jedem Teammitglied z. B. einen Brief in Einzelarbeit einzufordern. Das Team muss sich dann auf den nach ihrer Meinung besten einigen. Das heißt, dass die Schüler sich auf alle Themen wie bisher vorbereiten müssen. Die Veränderung liegt eigentlich nur in der Ganzheitlichkeit der Aufgabe, die Arbeit im Team und die Bewertung der Kernkompetenzen (Fach-, Methoden-, Ich-, Sozial- und Handlungskompetenz). Man muss sich von den Gigaaufgaben, wie bisher abverlangt, trennen und lieber eine kleinere Aufgabe stellen, da diese im Team und komplett ausgeführt werden muss. Gerade in Technik wurden Gigaaufgaben über mehrere UE´s gestellt, die primär die Fachkompetenz abverlangen. Dieser Bereich kommt auch in der Projektprüfung vor und wird halt anders bewertet, da die anderen Kompetenzen heutzutage für die Ausbildungsreife gefordert und verlangt werden. Die Projektprüfung ist nichts anderes als ein ausgeklügelter Einstellungstest von Firmen. Die Wirtschaft verlangt für die Ausbildung, die in der Projektprüfung abverlangten Kompetenzen, um überhaupt ausbilden zu können. Diese Kompetenzen wurden von Pädagogen und Leuten aus der Wirtschaft entwickelt und schon in der Lehrplanumstellung 2001 verlangt. Nur liest halt keiner mehr den Lehrplan (Fachprofil der praktischen Fächer).

MfG Peter

Benutzeravatar
Borcas
Moderator
Moderator
Beiträge: 2290
Registriert: 24.05.2004 14:10
Ausbildungsort: Bayreuth
Ausbildungsjahr: 2000
Wohnort: Weidenberg

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Borcas » 22.11.2011 20:14

Moment mal... ganz langsam. Jetzt sind wir wieder im Bereich der Verallgemeinerungen angelangt.
Nur liest halt keiner mehr den Lehrplan (Fachprofil der praktischen Fächer).
Bitte lass' doch solche Aussagen, nur weil du persönlich vielleicht ein paar Kollegen kennst, auf die das zutrifft.

Ich weiß nicht, warum du die Projektprüfung so vehement verteidigst. Das von mir und Marina angesprochene Problem ist eines, mit dem wir schon vor der Projektprüfung zu kämpfen hatten. Wer als Fachberater oder in anderer Position schon einmal Prüfungen von anderen Schulen im Schulamtsbezirk in die Hände bekommen hat, weiß hier, wovon er redet. Schon immer waren Prüfungen in den praktischen Fächern ungerecht. Auch wenn man jahrelang dagegen angekämpft hat, fortgebildet und versucht hat, eine Vergleichbarkeit zu schaffen, war dies schon immer schwer möglich. Aber mit der Projektprüfung gibt es eine solche Vergleichbarkeit überhaupt nicht mehr.

Auch wenn die Wirtschaft heute andere Kompetenzen fordert, was ich durchaus nachvollziehen kann, so kann ich mir nicht vorstellen, dass es der Wirtschaft gelegen kommt, wenn Noten nicht mehr aussagefähig sind. Ein künftiger Arbeitgeber sieht nur, was auf dem Papier steht. Doch wie dieselbe 3 in Technik, Wirtschaft oder Soziales bei 5 unterschiedlichen Bewerbern zustande gekommen ist, sieht er nicht. Und das kann ja wohl wirklich nicht Sinn der Sache sein.

Wenn ich mir vorstelle, dass unsere Abiturienten an einer Schule im Leistungskurs Mathe schwere formellastige Rechenoperationen lösen müssen und die im Nachbarort müssen nur einfache Plus- und Malaufgaben rechnen, dann wüsste ich, dass sofort sämtliche Ämter und Institutionen auf dem Plan wären und Tod und Teufel schreien würden. Aber das sind ja schließlich nicht "nur" Hauptschüler.
http://www.borcas.de <-- Fachlehrerinfos und mehr

Peter G
motiviert
motiviert
Beiträge: 37
Registriert: 11.11.2011 07:55
Wohnort: Diedorf

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Peter G » 23.11.2011 07:55

Hallo Borcas, ich überspitze gerne meine Formulierungen. Man muss nicht nur die Endnote in Technik, Soziales oder Wirtschaft sehen (die kann man wie du beschrieben hast nicht vergleichen), sondern das ganzheitliche Konzept, das dahinter steht. Die Knotenlehrpläne verdeutlichen nochmals die Zusammengehörigkeit der Fächer und fordert klare Absprachen unter den einzelnen Lehrern und zudem kommt die Berufsorientierung mit vielen Praktikas, in denen die Schüler, aber auch die Betriebe Eignungen feststellen können. Einem Betrieb sind die meisten Noten egal, wenn die Eignung für die von ihnen angebotene Ausbildung gegeben ist und aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass sehr viele meiner Schüler im Praktikum einen Ausbildungsvertrag angeboten bekommen haben. Der von mir angepriesene kompetenzorientierte Unterricht ist dafür zugeschnitten, dass Schüler lernen, sich einzuschätzen, welche Fähigkeiten sie besitzen, was sie weniger können (Reflexionsbögen). In der Zusammenarbeit mit den Betrieben werden diese Fähigkeiten herausgestellt und optimiert. Z. B. Durchhaltevermögen des Schülers ist nicht sehr gut ausgeprägt, so spricht man das mit dem Schüler an und versucht daran zu arbeiten, wie der Schüler länger durchhält (wiederum ein Prozess, den ich nicht in einer UE verändern kann, sondern das geht über längere Zeit). Je früher man so etwas anspricht, desto besser die Leistungen der Schüler. D. h. ich fange damit schon in der 3. Klasse an und führe das bis zur 9. bzw. 10 Klasse fort. Wer einer der ersten Bewertungsbögen des ISB (mit über 300 Punkten) gelesen hat, weiss, was alles bewertet werden soll und das kann ich nur bewerten, wenn ich das alles vorher eingeschult habe. Das Problem der meisten Lehrer, die in Bezug auf dieses Thema einsichtig sind, ist, dass sie nicht wissen, wie sie was umsetzen können (ohne sich dabei tot zu arbeiten) und da ist es von Vorteil, wenn sich eine Schule zusammensetzt und interne Regelungen sucht, die für alle Lehrer verbindlich sind. Z. B. werden Sozialkompetenzen nach Jahrgangsstufen eingeschult, d. h. alle Lehrer haben ein besonderes Augenmerk auf eine vorher festgelegte Sozialkompetenz pro Halbjahr (es werden alle Sozialkompetenzen vermittelt, nur pro Halbjahr wird auf eine besonderen Wert gelegt) und das in allen Fächern in der ganzen Schule. Zudem gibt es von einigen Schulen sehr gutes Material, welches man für die Schule übernehmen könnte. Wie jeder weiss, gibt es Lehrer, die Material weitergeben und welche nicht. Ich wurde im Seminar bewertet, ob ich fähig bin, mir Unterrichtsmaterial von anderen Lehrern zu besorgen. Deshalb finde ich das Forum recht gut, da Lehrer bzw. Fachlehrer sich endlich mal austauschen können.

MfG Peter

Benutzeravatar
Borcas
Moderator
Moderator
Beiträge: 2290
Registriert: 24.05.2004 14:10
Ausbildungsort: Bayreuth
Ausbildungsjahr: 2000
Wohnort: Weidenberg

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Borcas » 23.11.2011 08:23

Danke für das Lob, unser Forum betreffend.

Und danke für deine weitere ausführliche Erläuterung.

Aber eine weitere Diskussion erspare ich mir hier, da ich erkenne, dass du auf die positiven Aspekte der Projektprüfung (die ich durchaus sehe) wert legst und die Nachteile nicht erkennen willst. Und übrigens: Vielen Dank für die Information, dass den Betrieben unsere Noten egal sind. Warum hab' ich Depp denn dann eigentlich seit über 10 Jahren welche gemacht? Tja... man lernt nie aus. (überspitzt formuliert!!!)
http://www.borcas.de <-- Fachlehrerinfos und mehr

Benutzeravatar
tabsi
Foren-Adel
Foren-Adel
Beiträge: 684
Registriert: 12.01.2006 17:18

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von tabsi » 23.11.2011 17:03

Peter G hat geschrieben:.... D. h. ich fange damit schon in der 3. Klasse an und führe das bis zur 9. bzw. 10 Klasse fort. ...

MfG Peter
Du hast SchülerInnen von der 3. bis zur 9. Klasse?

In der Regel bekommt man die SchülerInnen in der 5. Klasse der Mittelschule. Und da sind sie von ihrem Sozialverhalten, ihrer Ausdauer, ihrer Genauigkeit, ihres Lernwillens schon geprägt, da ist nicht mehr viel mit neu einstudieren. Weil viele SchülerInnen nicht mehr viel Lust haben, sich anders zu orientieren.

tabsi

Peter G
motiviert
motiviert
Beiträge: 37
Registriert: 11.11.2011 07:55
Wohnort: Diedorf

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Peter G » 24.11.2011 07:45

Hallo Tabsi, da hast du Recht, dass in der 5. Klasse das Niveau und die Motivation sinkt, jedoch beim kompetenzorientierten Unterricht lernen die Schüler mitunter, dass sie selbst was können und durch Anstrengung auch verändern können. Das Lernangebot ist so vielseitig, dass auch schlechte Schüler eine gute Leistung vollbringen können. Die Aufgabenstellung ist auch unterschiedlich, so dass sich jeder Schüler nach seiner Leistung Aufgaben aussuchen kann, die er auch bewältigen kann. Ich teile diese in leicht, mittel und schwer ein. Natürlich gibt es immer wieder Schüler, die sich nur an die leichten Aufgaben wagen, obwohl sie schwerere bewältigen könnten, aber das gibt mir Anlass für ein Gespräch, in dem ich den Schüler ansprechen kann und ihn dazu bewegen kann, eine angemessene Aufgabe zu bewältigen. Umgekehrt gibt es Schüler, die sich zu schwere Aufgaben aussuchen, die sie nicht bewältigen können, denen ich leichtere empfehle.
Den Unterricht, den ich halte, ist in ein paar Seiten nicht präzise genug zu beschreiben, da dort sehr viel geschieht und hinter jeder Methode extrem viel Kompetenzförderungen stehen, die man so gar nicht erkennen kann. Für die Schüler jedoch ist diese Form des Unterrichts sehr gut, da sie regelmäßig Verbesserungsvorschläge erhalten und wenn sie diese ernst nehmen (machen in der Regel alle) und leisten somit wesentlich mehr, als sie bei einem konservativen Unterricht leisten würden. Der kompetenzorientierte Unterricht fängt mitunter Erziehungsversäumnisse der Eltern auf (was Eltern nicht leisten können oder wollen). Das heißt eben in der kurzen Zeit, in der die Schüler in der Schule sind, sollte nicht nur Fachwissen unterrichtet werden, sondern die mittlerweile fehlenden und geforderten Kompetenzen im Unterricht eingebaut und gefördert werden.

MfG Peter

Benutzeravatar
Bernhard
SEIBERT
SEIBERT
Beiträge: 3151
Registriert: 23.05.2004 00:48
Name: Bernhard Seibert
Ausbildungsort: Augsburg
Ausbildungsjahr: 2002
Wohnort: Buttenwiesen

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Bernhard » 24.11.2011 14:16

Und wie gehst du bei deiner Arbeit mit der Pflicht zur Benotung um?

Noten müssen vergleichbar sein, somit müssen spätestens bei einer Leistungsfeststellung die Ansprüche leicht, mittel, schwer für alle "mittel" sein oder bei leicht und schwer müssen entsprechende Abschläge/Boni vergeben werden um den Vorgaben gerecht zu werden.

Versteh mich nicht falsch, ich finde das Arbeiten wie du es beschreibst super: vollständige Individualisierung! Nicht umsonst stammt auch die Erstumsetzung der "Übungstheke TZ" von mir die nach dem gleichen System vorgeht mit Schwierigkeitsstufe 1 bis 5 bei Raumbildern. Aber die Schüler haben ihr Ziel vor Auge: Beim Leistungsnachweis muss ich bspw. in der 8. Klasse Stufe 3 schaffen.
Ich beantworte keine Fragen per PN oder Mail die im Forum beantwortet werden können!
Meine Seite für Schüler: www.herrseibert.de
Meine private Seite: www.nachtelb.de

Peter G
motiviert
motiviert
Beiträge: 37
Registriert: 11.11.2011 07:55
Wohnort: Diedorf

Re: Methoden Projektprüfung

Beitrag von Peter G » 25.11.2011 09:02

Hallo Bernhard, meine Benotungen erfolgen wie bei dir wahrscheinlich nach Leistungsnachweise (in jeglicher Form). Diese Noten werden je nach Wertigkeit (1x, 2x, ...) zu einer Jahresnote (Halbjahresnote) verrechnet. Diese Note steht 1:1 meiner Prozessbewertung gegenüber. D. h., dass ich eine Note aus Schülerbeobachtungen bilde, die dokumentiert, wie sich ein Schüler entwickelt. Genau anhand dieser Beobachtungen kann ich erkennen, ob die Schüler Aufgaben nehmen, denen sie gewachsen sind, oder nicht, ob sie unter ihrem Niveau arbeiten, oder nicht. Wobei diese Abstufungen von leicht bis schwer niemals in einem Leistungsnachweis ersichtlich sind und die Schüler können wählen, sondern die Aufgaben dienen für die Einschulung und Sicherung von Lerninhalten. Im Leistungsnachweis stelle ich natürlich Aufgaben, deren Anspruch an die Schüler unterschiedlichem Leistungsniveau entspricht. Wichtig ist eigentlich die Prozessbewertung der Schüler. Ich dokumentiere die Fort-, aber auch die Rückschritte der Schüler und gebe ihnen regelmäßig (vor allem nebenbei im Unterricht) Feedback, so dass die Schüler wissen, wo sie stehen und was sie tun können, um sich zu verbessern. Jeder Schüler will ja normalerweise gut sein, nur sind viele (gerade in der HS) über Jahre frustriert worden und geben sich auf. Hier merken die Schüler, dass sie sich verbessern können und nehmen meine Verbesserungsvorschläge gerne an und versuchen diese umzusetzen. D. h. hier wird Fleiß, Anstrengungsbereitschaft, Durchhaltevermögen, ... beachtet und belohnt (leistungsschwächere Schüler können also auch eine gute Note erreichen). Es geht nicht darum aus einem sehr schlechten Schüler einen Überflieger zu machen (unmöglich), sondern seine Möglichkeiten, die er hat, möglichst gut auszuschöpfen. Deshalb ist der Einsatz von Reflexionsbögen, die dem Schüler ermöglichen, sich selbst einzuschätzen, seine Fähigkeiten kennen und nutzen zu lernen, dass er für sich und seine Zukunft das möglichst Beste machen kann, notwendig. Deshalb gibt es aber auch die unterschiedlichen Lernangebote (qualitativ), um auch die besseren Schüler optimal zu fordern und fördern.
MfG Peter

Zurück zu „Projektprüfung“